11.12.2020

Vertuschung von Missbrauch im Erzbistum Köln

Woelki lässt Papst Vorwürfe prüfen

Hat der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki einen Fall schweren Missbrauchs nicht nach Rom gemeldet? Entsprechende Vorwürfe stehen zurzeit im Raum. Woelki will diese nun von Papst Franziskus prüfen lassen. 

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki
Hat er etwas vertuscht? Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki steht in der Kritik. 

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat bestätigt, dass er Vertuschungsvorwürfe gegen ihn vom Papst prüfen lassen will. "Um die gegen mich erhobenen kirchenrechtlichen Vorwürfe zu klären, bitte ich den Heiligen Vater um eine Prüfung in dieser Frage", teilte Woelki mit. "Es bleibt dabei: Versäumnisse im Umgang mit sexualisierter Gewalt müssen offengelegt werden, unabhängig davon, gegen wen sie erhoben wurden. Dies bezieht auch mich ein."

Anlass für den Schritt des Kardinals ist der Vorwurf, er habe im Jahr 2015 einen mehrere Jahrzehnte zurückliegenden Fall schweren sexuellen Missbrauchs durch einen Düsseldorfer Priester pflichtwidrig nicht nach Rom gemeldet und keine Voruntersuchung in dem Fall eingeleitet. Laut Erzbistum nahm Woelki als Erzbischof Kenntnis vom Inhalt der Personalakte. Woelki ist seit September 2014 Erzbischof von Köln. Erste seelsorgerliche Erfahrungen sammelte er als Pastoralpraktikant und Diakon in just der Düsseldorfer Pfarrei, in der der beschuldigte Pfarrer tätig war.

Der Erzdiözese waren die Anschuldigungen gegen den Geistlichen bereits vor Woelkis Amtsantritt als Erzbischof bekannt. Sie erklärte erneut, dass sich der Priester im Jahr 2015 aufgrund seines Gesundheitszustandes "in keiner Weise" zu den Vorwürfen hätte äußern können. Da er unter den Folgen eines zweiten Schlaganfalls sowie einer fortgeschrittenen Demenz gelitten habe, sei eine persönliche Konfrontation nicht möglich gewesen. Zudem habe der Betroffene gegenüber dem Erzbistum angegeben, "er sehe sich nicht in der Lage, sich weiter zur Sache zu äußern". Folglich sei die kanonische Voruntersuchung sowie eine Meldung an die vatikanische Glaubenskongregation unterblieben.

Der Tübinger Kirchenrechtler Bernhard Anuth hatte dieser Argumentation im "Kölner Stadt-Anzeiger" widersprochen. Auch wenn der Beschuldigte nicht habe angehört werden können, dann doch wenigstens sein Umfeld. Auch fragmentarische Ergebnisse seien an den Vatikan zu leiten, der dann über ein kirchenrechtliches Strafverfahren zu entscheiden habe.

Kirchenrechtsexperten im Vatikan bewerten die Lage weniger streng. Woelki hätte den Fall 2015 nach Rom melden können, aber nicht unbedingt müssen. Den Experten zufolge besteht eine Meldepflicht, sobald sich ein Verdachtsfall durch diözesane Voruntersuchungen erhärtet - diese wurde jedoch nicht eingeleitet.

Gleichzeitig prüft Münsters Bischof Felix Genn, ob er gegen Woelki kirchenrechtliche Untersuchungen aufnehmen wird. Das Kirchenrecht sieht vor, dass bei einem Vertuschungsvorwurf gegen einen Bischof der Metropolit oder der dienstälteste Bischof einer Kirchenprovinz - im Kölner Fall ist dies Genn - die Untersuchungen übernimmt. Zuvor muss jedoch bei ihm oder beim Heiligen Stuhl eine entsprechende Anzeige eingegangen sein

kna