28.03.2019

Anfrage

Wieso führen Bischöfe noch immer ein Wappen?

Warum muss ein Bischof ein Wappen haben/tragen? Ist das nicht ein Relikt aus dem Mittelalter? 
K. M., Frankfurt
Der Brauch, ein Wappen zu führen, stammt aus der Zeit der Ritter, in der bei Kämpfen die Personen an den Wappen auf den Schilden der Rüstung zu erkennen waren. Ab dem frühen 13. Jahrhundert fand das auch im kirchlichen Bereich Einzug, zumal der höhere Klerus oft aus Adelsgeschlechtern stammte, in denen die Familienwappen ohnehin verbreitet waren. 
Die Kunst der Wappenkunde, die Heraldik, hat zahlreiche Symbole und Regeln für die Komposition der Wappen hervorgebracht, die Aufschluss geben über die Herkunft, den Rang, die Namensbestandteile, Heilige, denen sie sich besonders verbunden fühlten, oder auch die Anliegen der jeweiligen Person. So ist beim Bischofswappen auch ein Wappenspruch zu finden, der oft als Zitat aus der Bibel ein Motto für den Bischof darstellt, wie er sein Amt versteht oder zu welchen Leitlinien er sich bekennt. 
Heute gibt es die Notwendigkeit, eine Person – etwa im Kampf – an ihrem Wappen zu erkennen, nicht mehr. Dennoch hat die Heraldik viele Freunde und auch feste Regeln. Auch Bistümer führen Wappen und Symbole als Bestandteile, die in den persönlichen Wappen der Bischöfe wiederzuerkennen sind. Die Wappen werden also bis heute auch in Kirchenkreisen weiterverwendet, etwa bei Amtssiegeln oder auf Briefpapier. Das Bischofswappen ist zudem oft in den Bischofskirchen zu finden. Das päpstliche Wappen wird an Basiliken aufgehängt, um so ihre Bedeutung zu unterstreichen. 
Aus heutiger Sicht unverständlich ist es, wenn das persönliche Wappen eines Bischofs als Hoheitszeichen verstanden wird. Eher antiquiert wirkt es zum Beispiel, wenn bei Baumaßnahmen das Wappen an verschiedenen sichtbaren Stellen als dauerhafte Erinnerung an den Bauherrn angebracht wird.
In vielen vatikanischen Gebäuden wird mit dem Wappen des jeweils amtierenden Papstes auch gekennzeichnet, in welcher Zeit ein bestimmtes Bauwerk errichtet worden ist. Das ist dann mit Blick auf die Kirchengeschichte eine dankbare Erinnerung; eine zwingende, gar theologisch begründete Notwendigkeit gibt es nicht.
Michael Kinnen