08.09.2021

Eine Suche nach Antworten

Wer bist du für mich?

Es ist die Frage der Fragen, trotz aller Lehrsätze und theologischen Klugheiten gilt sie jedem von uns ganz persönlich. Hier finden Sie einige Antworten. Welche gefällt Ihnen besonders? Und wie lautet ihre eigene?

Für manche ist Jesus einfach ein Superstar: Ted Neeley in der Rolle des Jesus im Erfolgsfilm "Jesus Christ Superstar" aus dem Jahr 1973. Foto: imago/Allstar

Von Susanne Haverkamp

Die Antwort des Petrus „Du bist der Christus“ ist Theologie. Sie drückt aus, was die junge Kirche über Jesus geglaubt hat. Eine persönliche Beziehung drückt sie nicht aus. Wer war Jesus für Petrus? Lehrmeister? Freund? Respektsperson? Seit damals haben sich viele Menschen Gedanken gemacht über ihre Beziehung zu Jesus. Und über ihr Bild von Jesus, was sie von ihm halten, für wen sie ihn halten. Sie sind zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen gekommen – frommen und weniger frommen, kirchlich korrekten und weniger korrekten. Aber immer zu persönlichen, und vielleicht ist es das, worauf es ankommt.

Jesus, der Revolutionär

Zweitausend Jahre sind es fast, 
seit du die Welt verlassen hast, 
du Opferlamm des Lebens!
Du gabst den Armen ihren Gott.
Du littest durch der Reichen Spott. Du tatest es vergebens!

Du sahst Gewalt und Polizei.
Du wolltest alle Menschen frei
und Frieden auf der Erde.
Du wusstest, wie das Elend tut
und wolltest allen Menschen 
gut, damit es schöner werde!

Du warst ein Revolutionär und machtest dir das Leben schwer 
mit Schiebern und Gelehrten.
Du hast die Freiheit stets beschützt und doch den Menschen nichts genützt.
Du kamst an die Verkehrten! 

Erich Kästner

Jesus, der Künstler

Der Trost dieser Bibel, die so traurig macht, die unsere Verzweiflung und unsere Entrüstung weckt – den Trost, den sie enthält wie einen Kern in einer harten Schale, ist Christus. Er hat in heiterer Gelassenheit gelebt, als größter aller Künstler. Den Marmor, den Ton und die Farbe verschmähend, hat er in lebendigem Fleisch gearbeitet. Er machte lebendige Menschen, Unsterbliche, denn er allein hat die fundamentale Gewissheit vom ewigen Leben, der Unendlichkeit der Zeit und der Nichtigkeit des Todes. 

Vincent van Gogh

Jesus in den Schlagzeilen

Jesus: Der militante Visionär. Der verbohrte Sektierer. Der fanatische Häretiker. Der tempelpolizeilich gesuchte Umstürzler. Der regierungsfeindliche Terrorist. Der linke Reaktionär. Der Pries-
terschreck. Der Nestbeschmutzer. Der Rädelsführer. Der Anstifter. Der Glaubensverweigerer. Der affektierte Rechthaber. Der provokante Regelverdreher. Der gekrönte Lumpenprolet. (Aus der zeitgenösssischen Presse)

Wolfdietrich Schnurre

Jesus, mein jüdischer Bruder

Jesus ist für mich der ewige Bruder, nicht nur der Menschenbruder, sondern mein jüdischer Bruder. Ich spüre seine brüderliche Hand, die mich fasst, damit ich ihm nachfolge. Es ist nicht die Hand des Messias, diese mit Wundmalen gekennzeichnete Hand. Es ist bestimmt keine göttliche, sondern eine menschliche Hand, in deren Linien das tiefste Leiden eingegraben ist.

Schalom Ben Chorin

Jesus, die Kraft im Alltag

Meine Hoffnung und meine 
Freude, 
meine Stärke, mein Licht,
Christus meine Zuversicht,
auf dich vertrau ich 
und fürcht’ mich nicht.

Jacques Berthier, aus Taizé

Jesus, der Weltveränderer

Ich überlasse es jedem Einzelnen, sich den Albtraum einer heidnischen Welt vorzustellen oder eine Welt, in der Gottlosigkeit konsequent praktiziert würde: den Menschen in die Hände des Menschen fallen zu lassen. Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache, und mehr noch als Raum gab für sie: Liebe für die, die der heidnischen wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen. Ich glaube, dass Millionen Christen auf dieser Erde das Antlitz dieser Erde verändern könnten, und ich empfehle es der Nachdenklichkeit und der Vorstellungskraft, sich eine Welt vorzustellen, auf der es Christus nicht gegeben hätte. 

Heinrich Böll

Jesus, der Bruder der Armen

Du bist gestorben, lieber Bruder Christ, wo aber sind die, für die du gestorben bist?

Wir Armen gehen auf deinen Wegen dem Elend, der Schande, dem Kreuz entgegen.

Die anderen gehen vom Nachtmahl heim und laden den Priester zu Braten und Kuchen ein.

Bruder Christ, du hast vergebens gelitten, gib du den Satten, um was sie dich bitten!

Wir Hungrigen wollen nichts von dir, Christ; wir lieben dich bloß, weil du unser einer bist.

Hermann Hesse

Jesus, mein Leben 1

Jesus, dir leb ich.
Jesus, dir sterb ich.
Jesus, dein bin ich
im Leben und im Tod.

Martin Luther

Jesus, der Unbegreifliche

Ich kenne die Menschen und ich sage euch, dass Jesus Christus kein gewöhnlicher Mensch ist. Zwischen ihm und jeder anderen Person in der Welt gibt es überhaupt keinen Vergleich. Alexander, Cäsar, Karl der Große und ich haben Reiche gegründet. Aber worauf beruhten die Schöpfungen unseres Genies? Auf Gewalt. Jesus Christus gründete sein Reich auf der Liebe; und zu dieser Stunde würden Millionen Menschen für ihn sterben (…) Alles an Christus erstaunt mich. Sein Feuer beeindruckt mich tief und seine Willenskraft beschämt mich. Zwischen ihm und wem immer auf der Welt gibt es keinen Vergleich. Er ist wahrhaft einzig. Seine Gedanken, die Wahrheit, die er verkündet, seine Art zu überzeugen, lassen sich weder durch menschliche Bildung noch durch die Natur der Dinge erklären. Je weiter ich mich nähere, je gründlicher ich forsche, desto schleierhafter wird mir alles.

Napoleon Bonaparte

Jesus, mein Leben 2

Jesus Christ, you are my life, 
alleluja, alleluja!
Jesus Christ, you are my life, 
you are my life. Alleluja.

Neues Geistliches Lied, GL 362

Jesus, zu dem wir beten

Jesus, du unser Heiland
Jesus, du unsere Hoffnung
Jesus, du unser Erlöser
Jesus, du Bruder der Menschen
Jesus, du Freund der Sünder
Jesus, du Hilfe der Kranken
Jesus, du guter Hirte
Jesus, du Stifter des Friedens
Jesus, du Trost der Trauernden
Jesus, du Zuflucht der Verfolgten
Jesus, du Brot, von dem wir leben
Jesus, du Licht, durch das wir sehen
Jesus, du Weg, auf dem wir gehen

Ostkirchliche Litanei, GL 561