25.03.2020

Anfrage

Warum bezeichnet Gott sich als eifersüchtig?

Im Gebot „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“, heißt es auch: „Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott.“ Wie passt das mit der Darstellung eines gütigen Gottes zusammen? R. S., Stadtroda

Zweimal sind die Zehn Gebote im Alten Testament überliefert: einmal im Exodusbuch kurz nach der Flucht des Volkes Israel aus Ägypten, ein zweites Mal im Buch Deuteronomium, kurz bevor das Volk Israel in das Gelobte Land zieht. Beide Male sind sie direkte Rede Gottes an das ganze Volk – etwas, was sonst nie vorkommt. Und beide Male werden sie eingeleitet: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten geführt hat ...“ 

Der Auszug aus Ägypten ist damit die große Erfahrung der Befreiung und der Beginn der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk Israel. Und ausgerechnet dieser Befreier soll nun selbst eifersüchtig sein? 

So steht es in den Zehn Geboten, nachdem Israel verboten wird, sich vor anderen Göttern niederzuwerfen: „Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Ich suche die Schuld der Väter bei den Kindern heim.“ Eifersucht aber klingt weder nach Freiheit noch nach Güte.
Die Übersetzung ist dabei schon schwierig, denn das hebräische Wort bedeutet an anderer Stelle ein leidenschaftliches Eintreten für eine Beziehung oder aber auch für Gerechtigkeit.

Leidenschaft findet sich in der Bibel immer wieder in der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk, die im Alten Testament tatsächlich oft mit einer Ehe oder eben auch mit einem Bund verglichen wird. Es ist eine ausschließliche Beziehung, auf die sich beide Partner freiwillig einlassen, aber sich dann auch gegenseitig zu Treue verpflichten. 

So hat „eifersüchtig“ weniger mit einem krankhaft nachspionierenden Partner als vielmehr damit zu tun, dass Gott alles daransetzt, für sein Volk Gerechtigkeit zu schaffen, wenn es sich denn an seine grundlegenden Gebote hält und somit selbst gerecht ist. Kurz: Nur wenn Israel gerecht ist, wird es auch gerecht behandelt. 

Dann lässt sich vielleicht auch der Nachsatz besser verstehen: Denen, die Gott hassen, wird ihre Schuld nicht vergeben werden, denn sie halten sich selbst an keine Gebote. Denen gegenüber aber, die Gottes Gebote halten und somit selbst gerecht sein wollen, wird Gott gnädig sein.

Christoph Buysch