15.04.2021

Vocation Music Award

Songs mit Sinn

Hat Gott einen Plan für mein Leben? Diese Frage stellen sich viele Jugendliche. Das Zentrum für Berufungspastoral hat nun einen Musikwettbewerb dazu ins Leben gerufen – für Komponisten und Sinnsucher.

Eine junge Frau steht auf einer Bühne und singt in ein Mikrofon.
Judith Gfrerer war 2019 bei der Finalshow des Vocation Music Award in Österreich dabei.

Von Sandra Röseler

„Viele junge Menschen stehen vor der Frage: Was mache ich mit meinem Leben“, sagt Michael Maas, Leiter des Zentrums für Berufungspastoral der Deutschen Bischofskonferenz (ZfB). Anfang des Jahres hat das ZfB mit der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge, der Ordensgemeinschaft der Kapuziner und der Jugendkirche Samuel in Mannheim den „Vocation Music Award“ ins Leben gerufen. Bei diesem Wettbewerb können junge Musiker noch bis zum 15. Juni ein selbst geschriebenes Lied zum Thema Berufung einreichen und neben Preisgeld eine professionelle CD-Produktion gewinnen.

Die Idee dazu stammt aus Österreich, dort fand 2019 der erste Vocation Music Award statt. In diesem Jahr soll er nun parallel in mehreren Ländern laufen, neben Großbritannien, Irland und Litauen auch in Deutschland. Aber wofür braucht es einen Songcontest zum Thema Berufung? 

Berufung – diesen Begriff verbindet man schnell mit dem Priestertum oder dem Eintritt ins Kloster. Aber darum geht es nicht in erster Linie, sagt Maas. Er findet es wichtig, das zu betonen, „sonst denken Jugendliche: Das hat ohnehin nichts mit meinem Leben zu tun“. Bei Berufung gehe es um eine viel grundlegendere Frage: „Welchen Auftrag habe ich in der Nachfolge Jesu – und was bedeutet das für mein Leben?“

Singen über das, was einen bewegt

Dabei, diese Frage beantworten zu können, soll der Musikwettbewerb helfen. „Über Musik kann man viel besser zu dem vordringen, das einem im Innersten bewegt“, sagt Maas. „Die Idee ist, dass die Teilnehmer beim Komponieren zu ihrer eigenen Berufung finden.“ 
Aber wie relevant ist die Suche nach Berufung heute überhaupt noch für Jugendliche? Schließlich spielt der Glaube für viele junge Menschen kaum noch eine Rolle. „Die Jugendlichen wollen ein Leben führen, das sinnvoll ist, das einen Wert hat“, sagt Maas. In diesem Zusammenhang seien christliche Themen für sie eben doch relevant: zum Beispiel die Bewahrung der Schöpfung oder die Frage, wie man gut mit seinen Mitmenschen umgehen kann. 

Maas glaubt, dass die Teilnehmer mit Themen wie diesen auch Menschen außerhalb der Kirche erreichen können. Das hängt auch damit zusammen, wie für den Wettbewerb abgestimmt wird. Die Teilnehmer laden ihre Beiträge im Internet hoch, Zuschauer können ihren Favoriten dort ihre Stimme geben. Viele Musiker teilen ihre Lieder in den sozialen Medien, um möglichst viele Stimmen zu erhalten. Seit knapp drei Wochen stehen die ersten Beiträge online, mehr als 30 000 Leute hätten die Videos schon geschaut, sagt Maas. Allerdings spricht die teils besondere Form, in der die Teilnehmer ihren Glauben zum Ausdruck bringen, sicherlich nicht jeden an. 

Bis Ende Juni haben die Zuschauer Zeit, abzustimmen, danach werden die Beiträge noch einmal von einer Jury aus Musikern und Theologen bewertet. Letztere schauen dann vor allem darauf, wie auf das Thema Berufung eingegangen worden ist. „Es geht schließlich nicht nur darum, dass es sich schön anhört“, sagt Maas. Er ist begeistert davon, wie tiefgründig und persönlich die eingereichten Texte sind. „Man spürt, dass sich die Teilnehmer intensiv mit der Frage nach Berufung auseinandergesetzt haben“, sagt er. Eine junge Frau habe ihr Lied beispielsweise während Exerzitien geschrieben.

Die Bandbreite der Lieder ist groß. Manche singen klassische Kirchenmusik, andere rappen. Immer wieder kommt das Thema: Was mache ich aus meinem Leben? So singt eine Jugendliche davon, dass sie die Frage „Wo sehe ich mich in fünf Jahren?“ nicht beantworten kann. Und sie fragt: „Was sagst du dazu, Jesus?“ 

Im Internet Songs anhören und voten

„Die Lieder drücken eine Botschaft aus, die Jugendliche echt gebrauchen können“, sagt Maas: „Da gibt es einen Gott, der traut mir etwas zu, für den bin ich wichtig.“ Diese Botschaft könne den eigenen Glauben stärken – und die Kirche sollte sie noch viel stärker verbreiten, findet er.  Zum Beispiel in Form eines Musikwettbewerbs. „Die Kirche hat Nachholbedarf, wenn es darum geht, den Glauben mit moderner Musik zu verkünden.“ 

Die Songs aus dem Wettbewerb könnten dafür ein guter Anfang sein. Die besten 20 Teilnehmer kommen ins Finale, das am 17. Juli in der Jugendkirche Samuel in Mannheim stattfinden soll. Mit den ersten zehn wird dann eine professionelle CD aufgenommen. Maas hofft, dass diese Lieder verbreitet und in den Gemeinden gehört und gesungen werden – und dass sie viele jüngere Menschen ansprechen. „Über die Musik kann man oftmals mehr erreichen als über eine Predigt.“
 
Weitere Informationen zur Teilnahme und zur Abstimmung gibt es im Internet: www.vocation-music-award.com