06.11.2020

Organisationen rufen zu mehr Klimaschutz auf

"Rasen ungebremst in die Katastrophe"

Wissenschaftler und Nichtregierungsorganisationen fordern neuen Schwung im Kampf gegen den Klimawandel - sonst drohten unwiderrufliche Folgen, Das Hilfswerk Misereor warnt unter anderem vor dem Verlust von Ökosystemen. 

Trockene Flüsse im Bundesstaat Amazonas, in der Nähe von Manaus
Der Klimawandel hat Brasilien bereits eingeholt: Trockene Flüsse im Bundesstaat Amazonas, in der Nähe von Manaus

Wenige Tage vor dem ursprünglich anvisierten Termin für die nächsten Weltklimakonferenz hoffen Wissenschaftler und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen auf neuen Schwung im Kampf gegen den Klimawandel. Zugleich drangen sie am Freitag auf mehr Tempo. "Die internationale Klimapolitik steht nicht still, genauso wenig wie der Klimawandel in 2020 ruht", sagte der Direktor der Münchner Klimaversicherungsinitiative MCII, Sönke Kreft, am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Nach der Ankündigung der USA, aus dem 2015 abgeschlossenen Klimaabkommen von Paris auszusteigen, gab es "berechtigte Sorge" vor einem internationalen Abwärtstrend, wie Kreft, der am Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der UN-Universität in Bonn arbeitet, einräumte. Doch dies habe sich nicht bewahrheitet. Stattdessen hätten sich "neue positive Dynamiken" ergeben etwa durch das von EU-Kommissarin Ursula von der Leyen vorgestellte Konzept eines European Green Deal oder die Ankündigung Chinas, bis 2060 eine emissionsfreie Wirtschaft zu erreichen.

Am Mittwoch war der Austritt der Vereinigten Staaten aus dem Pariser Klimaabkommen wirksam geworden. Am Montag hätte im schottischen Glasgow die nächste Weltklimakonferenz begonnen. Die Verhandlungen wurden wegen der Corona-Pandemie auf das kommende Jahr verschoben. Die britische Gipfelpräsidentschaft will allerdings zusammen mit der UN ein virtuelles Treffen am 12. Dezember einberufen.

Das ist der Tag, an dem vor fünf Jahren das Abkommen in Paris unterzeichnet wurde. Es sieht unter anderem vor, den Ausstoß klimaschädlicher Gase zurückzufahren, um den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Um das zu erreichen, müssen die Vertragspartner entsprechende Zielvorgaben erarbeiten.

Der Klima-Experte von Care International, Sven Harmeling, bemängelte, dass aktuell nur 16 von insgesamt 188 Ländern, die das Abkommen unterzeichneten, neue Klimapläne vorgelegt hätten, darunter kein G20-Staat. Das sei "deutlich zu wenig". Zudem seien Zusagen Deutschlands für eine Verdoppelung der Klimafinanzierung für ärmere Länder bis 2025 dringend notwendig. "Nur so können Regionen, die bereits heute unter den massiven Folgen des Klimawandels leiden, widerstandsfähiger werden. Verpassen wir diese Chance, rasen wir mit Höchstgeschwindigkeit ungebremst in eine Klimakatastrophe."

Zuvor hatte auch Misereor-Expertin Anika Schroeder mehr zählbares Engagement gefordert. "Die aktuellen Klimaschutzpläne treiben uns in Richtung 4 Grad Celsius durchschnittlicher Erderhitzung bis 2100", sagte Schroeder am Donnerstag der KNA. Hunderte Millionen von Menschen müssten ihre Heimat verlassen, wenn es so weitergehe, die Armut werde weiter ansteigen, viele Ökosysteme gingen unwiederbringlich verloren.

kna