03.11.2020

Islamistischer Anschlag

Kirche verurteilt Terror in Wien

Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben sich zu dem islamistischen Anschlag in Wien geäußert: Terror im Namen einer Religion "pervertiert den Namen Gottes, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. 

Polizeiwagen sichern die Wiener Innenstadt nach einem terroristischen Anschlag ab.
Die Polizei sichert die Wiener Innenstadt ab. Dort hatten vermutlich mehrere Täter um sich geschossen. 

Nach dem Anschlag in der Wiener Innenstadt steht für die Ermittler ein islamistischer Hintergrund fest. Ein am Montagabend von der Polizei getöteter Täter sei Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" gewesen, sagte Österreichs Innenminister Karl Nehammer am Dienstag. Demnach gibt es bisher vier Todesopfer, zwei Männer und zwei Frauen. 18 weitere Menschen wurden teils schwer verletzt. "Wir gehen derzeit davon aus, dass es mehrere Täter gegeben hat", sagte Nehammer. Derzeit liefen weitere Ermittlungen.

Am Montagabend kurz nach 20 Uhr waren nahe der U-Bahnhaltestelle Schwedenplatz die ersten Schüsse gefallen. Danach kam es an weiteren Tatorten in der Nähe zu Feuerüberfällen. In der Gegend befindet sich die Wiener Hauptsynagoge. Die Ermittler prüfen einen antisemitischen Hintergrund der Tat. Zudem handelt es sich um ein beliebtes Ausgehviertel, in dem sich am Abend vor Beginn des coronabedingten Lockdowns in Österreich noch zahlreiche Passanten aufhielten.

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz sprach von einem "widerwärtigen Terrorangriff". Das Land werde die Gefahr mit allen Mitteln bekämpfen. Um 10 Uhr am Dienstagmorgen wollte der Regierungschef sich in einer Rede an die Nation wenden.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) bot ihre uneingeschränkte Kooperation mit den Sicherheitsbehörden an. Man wisse über den oder die Täter auch nicht mehr, als das Innenministerium bekanntgegeben habe, sagte eine Sprecherin. Die IGGÖ werde nun prüfen, ob der Täter in die Gemeinschaft eingebunden gewesen oder aufgefallen sei. Die Tat mache die Muslime fassungslos.

Unterdessen schloss die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) alle Synagogen in Österreich. Betroffen seien in Wien zudem sämtliche Einrichtungen, wie koschere Restaurants, Supermärkte und Schulen. Gemeindemitglieder wurden dazu aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Man wisse aber nicht, ob der Anschlag der IKG gegolten habe.

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn zeigte sich im Interview mit dem ORF-Fernsehen tief betroffen. Österreich dürfe nicht zu einer Gesellschaft werden, "die sich in der Angst abschließt", sondern solle weiterhin offen sein. Das Land dürfe nicht mit Hass reagieren. "Solange die Wärme in unserer Gesellschaft stärker ist als die Kälte des Hasses, brauchen wir nicht mutlos zu sein."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drückte Österreich am Morgen die Anteilnahme und Solidarität der Bundesregierung aus. "Der islamistische Terror ist unser gemeinsamer Feind. Der Kampf gegen diese Mörder und ihre Anstifter ist unser gemeinsamer Kampf." Sie sei in Gedanken bei den Opfern, Angehörigen und Sicherheitskräften.

Auch die beiden großen Kirchen verurteilten die Anschläge. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, erklärte am Dienstag in Bonn: "Keinerlei Form von Terror, kein islamistischer, kein rechts- und kein linksextremer, darf einen Platz haben in unserer Gesellschaft und Kultur." Terror im Namen einer Religion "pervertiert den Namen Gottes".

Nötig sei ein Ende von Gewalt und Hass, so der Limburger Bischof. "Wir brauchen Religionen, die das verwirklichen, was sie versprechen: Frieden zu stiften." Europa werde eine Heimat für Menschen sein, die friedlich zusammenlebten. "Diese Heimat lassen wir uns nicht nehmen." Bätzing erklärte weiter: "Wir sind mit den Menschen in Österreich im Gebet verbunden und trauern mit ihnen."

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, nannte die Tat einen "Anschlag auf die Menschlichkeit überhaupt". Sich beim Morden auf Gott zu berufen, sei zynisch und die schlimmste Form des Missbrauchs von Religion. "Wir werden weiter konsequent für wechselseitige Achtung und Toleranz zwischen den Religionen und Weltanschauungen eintreten." Das sei "das beste Mittel gegen die Saat der Gewalt, die Terroristen zu streuen versuchen."

kna