03.12.2020

Konflikt in der Region Berg-Karabach

Katholiken warnen vor Vertreibung

Viele Menschen in der Region Berg-Karabach sind existenziell bedroht. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis fordern Unterstützung für christliche Armenier, die in der Region leben. 

Ein Haus in Armenien brennt. Dorfbewohner haben es abgebrannt, weil die Region an Aserbaidschan geht.
Sie wollen nichts hinterlassen: Dorfbewohner haben ihre Häuser im armenischen Latschin-Korridor abgebrannt. Dieser soll laut einer Vereinbarung wieder an Aserbaidschan gehen. 

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und das Osteuropa-Hilfswerk der katholischen Kirche, Renovabis, fordern zu einer Unterstützung der christlichen Armenier in der Konfliktregion Berg-Karabach auf. Sie wenden sich mit dem Appell "Vertreibung stoppen - Menschliches Elend lindern - Kulturelles Erbe bewahren!" an die Kirchen in Deutschland, die Bundesregierung und die Europäische Union, wie es in einer Mitteilung hieß.

Die in der Region seit Jahrhunderten lebenden christlichen Armenier seien existenziell bedroht. Heute lebten dort etwa 150.000. "Unsere Geschwister im Glauben fürchten um ihr Leben", so ZdK-Generalsekretär Marc Frings. Er und Renovabis-Hauptgeschäftsführer Christian Hartl rufen Christen dazu auf, Kontakte mit muttersprachlichen armenischen Gemeinden in Deutschland zu suchen und "den Glaubensgeschwistern in ihrer Furcht und Bedrängnis solidarisch zur Seite zu stehen".

ZdK und Renovabis fordern, Berg-Karabach mit seiner armenischen Bevölkerung - ohne die bis zum jetzigen Waffenstillstand von Armenien besetzten Regionen - unter den Schutz eines UN-Mandats zu stellen. Nur so könnten neue Kriegshandlungen in der Region auf Dauer verhindert und ein künftiges friedliches Miteinander gestärkt werden. Die Bundesregierung müsse Waffenlieferungen verbieten und dürfe Wirtschaftssanktionen gegen Aggressoren nicht ausschließen. Zudem solle sie Verbrechen in dem Konflikt deutlich benennen.

Religion dürfe nicht für politische und kriegerische Zwecke instrumentalisiert werden, forderten das ZdK und Renovabis. Frings erklärte: "Wir erwarten den Einsatz der Bundesregierung sowie aller gesellschaftlichen Gruppen, insbesondere der Kirchen, zum Schutz der religiösen Minderheit der Armenier und von ihrem Kulturgut in den von Aserbaidschan eroberten Gebieten."

Das mehrheitlich von christlichen Armeniern bewohnte Berg-Karabach liegt auf aserbaidschanischem Staatsgebiet. Die Region wird aber de facto nicht vom islamisch geprägten Aserbaidschan kontrolliert, sondern von Armenien. Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan war Ende September wieder aufgeflammt. Bei den Kämpfen erzielte Aserbaidschan militärische Erfolge. Die ehemaligen Sowjetrepubliken hatten sich vor rund zwei Wochen unter russischer Vermittlung auf einen Waffenstillstand verständigt. 

kna