01.10.2020

Aufführung in Oberammergau 2022 geplant

Kartenverkauf für Passionsspiele startet

Wegen des Coronavirus mussten die 42. Oberammergauer Passionsspiele Anfang des Jahres abgesagt werden. Nun startet der Vorverkauf für den Nachholtermin 2022. "Es wird ein anderes Spiel werden", sagt Regisseur Christian Stückl. 

Christian Stückl ist Spielleiter der Oberammergauer Passionsspiele.
"Wir wollen es machen", sagt Christian Stückl, Spielleiter der Oberammergauer Passionsspiele. 

Nicht die Pest, aber ein weltweit sich verbreitender Virus namens Corona sorgte im März für das vorläufige Aus der 42. Oberammergauer Passionsspiele 2020. "Uns wurde ein Stecker gezogen", sagt Spielleiter Christian Stückl. In dem über 5.000 Einwohner zählenden Ort sei es ruhig geworden. Über die Passion hätten die Leute nicht mehr gesprochen, "der Schmerz wäre zu groß gewesen." Der Regisseur hatte bei der offiziellen Absage sichtlich bewegt versprochen: "Wir machen unsere Passion, und zwar 2022." Nun folgt seine Bestätigung: "Wir wollen es machen."

Schon vor 100 Jahren hatten der Erste Weltkrieg und die Spanische Grippe dafür gesorgt, dass das traditionsreiche Spiel vom Leiden und Sterben Jesu um zwei Jahre verschoben werden musste. Weil viele Männer im Feld geblieben waren, wäre unter anderem kein Orchester beim ursprünglichen Termin zusammengekommen. Solche Sorgen gibt es heute zwar nicht. Mit Blick auf die derzeitige Situation und auf die Tatsache, dass der Tourismus aus Übersee zum Erliegen gekommen ist, sind die Veranstalter froh, gleich einen größeren Abstand gewählt zu haben. Die Zuversicht für einen neuen Anlauf ist da - bei den Oberammergauern und bei den künftigen Besuchern.

425.000 Tickets waren bei der vorläufigen Absage verkauft gewesen, wie Geschäftsführer Walter Rutz berichtete. Das habe einer Auslastung von 95 Prozent entsprochen. Erfreulich gewesen sei, dass viele ihre Karten im Rahmen der danach erfolgten Rückabwicklung gar nicht zurückgeben, sondern behalten wollten. Bevor ab 5. Oktober der Vorverkauf wieder losgehe, seien 225.000 Karten schon neu eingebucht worden. Vor allem von Amerikanern, Australiern, Engländern, Franzosen und Skandinaviern.

Der neue Bürgermeister von Oberammergau, Andreas Rödl, ist erst seit Mai im Amt. Aber auch er schaut "vorsichtig optimistisch" in die Zukunft. Nach dem Einbruch der Touristenzahlen, im Durchschnitt seien es etwa um ein Drittel weniger gewesen als 2019, hätten sich im August wieder mehr Gäste eingefunden. Er selbst, der als Tenor im Passionsspielchor mitsingt, hat sich gar nicht erst von seinem langen Haar samt Bart getrennt. Für alle anderen Mitspielenden gilt erst ab Aschermittwoch 2021 wieder der offizielle Haar- und Barterlass.

Auf ein Neues, heißt es dann. Ab Oktober 2021 werden Chor und Orchester mit den Proben beginnen, Anfang Dezember folgt die erste Leseprobe für die Darsteller, ab Januar 2022 geht es auf die Bühne, damit bei der Premiere am 14. Mai alles klappt. Die Schneiderei muss derweil die Kostüme an den Darstellern nochmal überprüfen, "ob die Wampen gewachsen oder ob einer dünner geworden ist", erläutert der Spielleiter.

103 Vorstellungen sind bis 2. Oktober geplant. Ob auf sämtlichen 4.500 Stühlen pro Vorstellung dann jemand sitzen darf, vermag heute keiner zu sagen. Ein Hygiene-Konzept werde erarbeitet, und Stückl verriet, dass es Überlegungen gebe, um niemanden mit erworbenen Karten vor der Türe stehen zu lassen. Vielleicht ein sechster Spieltag pro Woche. Doch den müsste erst der Gemeinderat absegnen.

Im Januar werden die spielberechtigten Oberammergauer Bürger neu erfasst. Bis zu 30 Personen könnten dazukommen, weil sie dann die geforderten mindestens 20 Jahre im Ort leben. Derweil sind in diesem Jahr zwei ältere Darsteller des Hohen Rats leider gestorben, wie Stückl erzählt.

An den Text will er bewusst nochmal rangehen, ohne aber gleich alles zu ändern. "Jesus wird sich nicht mit Corona beschäftigen!", gab er Entwarnung. Schon für die Fassung 2020 sei ihm wichtig gewesen zu zeigen, wie Jesus an den sozialen Rändern gewirkt habe. Dies solle noch stärker deutlich werden. "Es wird ein anderes Spiel werden." Das Gelübde für die 42. Spielzeit wird indes nicht wiederholt. Auch von der Haltbarkeit des schon erteilten Segens ist Stückl überzeugt: "Der wirkt länger." 

kna/Barbara Just