17.07.2020

Alten-und Pflegeheime in der Corona-Krise

Kampf gegen die Einsamkeit

Als die erste Corona-Welle kam, hat Deutschland vieles dichtgemacht. Pflegeheime und Krankenhäuser verhängten Besuchsverbote. Was haben sie getan, damit Alte und Schwerkranke nicht allein sind? Was haben sie für eine zweite Welle gelernt?  

Eine Seniorin läuft in einem Altenheim über einen Flur.
Einsamer Spaziergang: Viele Senioren konnten während der Corona-Pandemie keinen Besuch bekommen. 

Krankenhäuser und Pflegeheime brauchten besonderen Schutz, das war in der Corona-Pandemie sofort klar. Zum einen, weil ihre Patienten zur Risikogruppe zählen; zum anderen, weil das Virus sich rasant ausbreiten kann, wenn es erst in ein Haus eingedrungen ist. Die Häuser verboten Besuche. Alte und Schwerkranke konnten ihre Partner, Kinder, Freunde nicht mehr empfangen. Ist ihr Bedürfnis nach Nähe zu kurz gekommen? 

Es seien „schwierige Zeiten“, sagt Helene Maqua, stellvertretende Vorsitzende des Verbandes katholischer Altenhilfe in Deutschland. Täglich mussten die Heime abwägen: Welche Regel hat sich wieder geändert – und wie gehen wir damit um? Einige Bewohner, sagt Maqua, hätten die Beschränkungen gelassen ertragen. Zumal sie lernten, mit ihren Angehörigen Videotelefonate zu führen. 

Viele Demente, berichtet Maqua, hätten ohne die körperliche Nähe jedoch gelitten. Sie betont aber: „Es musste nie ein Mensch in einer Einrichtung allein sterben.“ In der letzten Lebensphase hätten Angehörige immer kommen können, natürlich in Schutzmontur: „Das war richtig und wichtig. Denn es entspricht ja nicht unserem caritativen Ansatz, Menschen alleine sterben zu lassen.“

Auch in den Krankenhäusern waren strenge Regeln unverzichtbar. „In einer akuten Pandemiewelle ist Infektionsschutz das erste Gebot“, sagt Bernadette Rümmelin, Geschäftsführerin des Katholischen Krankenhausverbandes Deutschland. Hätte man das Besuchsverbot zu früh gelockert, dann hätte man kaum garantieren können, dass alle die Infektionsschutzregeln einhalten. Und die medizinischen Masken, die auch Besucher gebraucht hätten, reichten mancherorts ja nicht mal fürs Pflegepersonal.

Digitale Lösungen haben sich bewährt

Trotz aller Beschränkungen aber seien Schwerstkranke nicht einsam geblieben, sagt Rümmelin. Viele Häuser haben für sie kreative und zugleich sichere Sonderlösungen gesucht. Zudem, sagt Rümmelin, hätten sich Krankenhausseelsorger noch intensiver gekümmert als sonst. Sie widerspricht damit der Kritik, die Kirche habe Schwerstkranke alleingelassen. Auch Pflegekräfte hätten oft mehr Zeit für Gespräche gehabt: „Die Gespräche waren für die Patienten enorm wertvoll.“ 

Als die Beschränkungen gelockert wurden, gingen viele Altenheime neue Wege. Bewohner und Besucher trafen sich in Containern, Zelten, Gärten. Sollte eine zweite Corona-Welle im Winter kommen, bräuchte man beheizbare Zelte, sagt Maqua. Dass die Einrichtungen wieder geschlossen würden, das drohe „auf jeden Fall“. Sie hofft, dass alle Heime mehr Tablets anschaffen, damit Bewohner und Angehörige Kontakt halten können. Digitale Lösungen, sagt sie, hätten sich sehr bewährt. Wichtig sei auch, dass Mitarbeiter regelmäßig getestet werden und genug Schutzmaterial haben. 

Andreas Lesch