21.04.2021

Teil 1 unserer Credo-Serie

"Ich glaube. An Gott"

Im Apostolischen Glaubensbekenntnis sind die Grundpfeiler des christlichen Glaubens festgehalten; in vielen Gottesdiensten sprechen wir es. In dieser Serie laden wir Sie ein, über die bekannten Worte nachzudenken. 

Ein Mann steht am Strand und schaut in den Sonnenuntergang. Über dem Bild sind in weißer Schrift die ersten Zeilen des Credos geschrieben.

Von Susanne Haverkamp

Ein Glaubensbekenntnis ist zunächst eine Kurzformel des Glaubens. Alle Religionen kennen das. Im Judentum etwa das „Schma Israel“: „Höre, Israel! Der Herr, unser Gott, der Herr ist einzig.“ Oder im Islam das „Alahu Akbar“: „Gott ist am größten.“

Auch das Christentum entwickelte früh kurze Glaubensbekenntnisse. Etwa das des Petrus: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ (Matthäus 16,16) Oder der im Brief an die Philipper: „Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes des Vaters.“ (Philipper 2,11)

Doch diese Christus-Bekenntnisse der ersten Jahrzehnte reichten bald nicht mehr, denn die neue Religion entwickelte sich rasant weiter – zahlenmäßig, geografisch und vor allem theologisch. Deshalb entstand die Wahrheitsfrage: Welche der vielen theologischen Theorien ist richtig und welche ist falsch? Und wer entscheidet darüber? Zumal das Christentum theologisch hochkompliziert ist, schon wegen seines trinitarischen Ansatzes. Hinzu kommt, damals wie heute, dass die kulturellen Unterschiede in dieser weltweiten Religion sich sehr bald als problematisch erwiesen. Ost und West, Nord und Süd – da wird nicht alles gleich gesehen, verstanden und geglaubt.

Die Formulierung von Glaubensbekenntnissen hatte deshalb einen entscheidenden Sinn: die Abwehr von Irrlehren. Damit wurden sie das Kriterium der Zugehörigkeit: Wer das Glaubensbekenntnis unterschreibt, gehört dazu; wer die Unterschrift verweigert, ist ausgeschlossen. Letztlich gilt das bis heute. Wenn wir dieses Bekenntnis im Gottesdienst sprechen, sagen wir: Wir gehören dazu. Wobei Glaubensbekenntnisse erstaunlich offen formuliert sind und Platz lassen für geistliche Spielräume. 

Ich glaube

Zwei Worte, die vollkommen simpel klingen, aber es in sich haben: Ich glaube. Fest? Immer? Sicher? Oder doch eher zweifelnd. Mal mehr, mal weniger. Und längst nicht alles. Und ist solch ein zweifelnder, ein skeptischer Glaube weniger wert 
als der feste, unbeirrbare, unumstößliche?

Fest steht: Zu glauben, ist zunehmend schwieriger geworden. In früheren Zeiten wurden Glaubenssätze einfach übernommen. Unhinterfragt, weil der Vater oder die Mutter, der Pfarrer und erst recht der Papst ganz sicher recht haben. Und weil hinterfragen verboten war – nicht nur im Glauben.

Heute dagegen wird unhinterfragt so gut wie nichts übernommen. Spätestens ab dem Jugendalter gilt das Argument, nicht die Autorität. Glauben heißt heute: sich selbst von etwas überzeugt haben. Nicht im Sinne eines unumstößlichen Beweises, den gibt es in Glaubensfragen nicht, aber im Sinne einer inneren Gewissheit, die gleichermaßen aus Erfahrung und Erkenntnis gespeist ist. Eine Gewissheit, die mir sagt: Ja, dieses oder jenes habe ich geprüft und es ist glaubwürdig.

Oder zumindest hoffe ich, dass es glaubwürdig ist. Denn religiöser Glaube ist immer auch eine Hoffnung. Und genau die trägt durch die Zweifel, durch die Momente, in denen die Fragen kommen: Wo ist Gott im Leid? Wie kann Gott das zulassen? Wieso spüre ich ihn nicht? Kann es sein, dass es ihn doch nicht gibt? Dann hilft Hoffnung. Und Wille. Denn zu sagen „Ich glaube!“, heißt immer auch: „Ich will glauben!“ Ich mühe mich damit ab. Und manchmal bin ich einfach stur genug, trotz allem zu glauben.

Ja, früher war es einfacher zu glauben. Der sprichwörtliche Kinderglaube vermittelte Wärme, Geborgenheit, Sicherheit, er ließ Zweifel und Skepsis außen vor. Gerade deshalb lässt er aber auch Fragen nicht zu, kann unduldsam und kompromisslos werden. Und er versteht nicht, dass ein zögernder, zweifelnder und unsicherer Glaube ebenso viel wert ist. Eben weil darin viel gedankliche Arbeit, viel Hoffnung und viel Wille stecken. 

Deshalb: keine Sorge, falls in Ihrem „Ich glaube ...“ auch Zweifel mitklingen. Das ist schlicht ein Zeichen des Erwachsenseins.

an Gott

Haben Sie sich mal überlegt, wer dieses Wort eigentlich erfunden hat? Warum nennen wir das höchste Wesen Gott? 

Der Begriff entstammt dem germanischen Sprachraum. Das althochdeutsche Wort „guþ“ (altgotisch: guþ, altnordisch: gođ) umfasste alle Gottheiten des germanischen Heidentums. Wahrscheinlich geht das Wort auf eine Verbform von „ghau“ (anrufen, bitten) zurück; demnach wäre die Ausgangsbedeutung: „der/die Angerufene“.

Nach der Christianisierung Germaniens wurde der heidnische Name auf den christlichen Gott übertragen. Interessant daran ist, dass es in praktisch allen frühen Sprachen und Kulturen die Vorstellung eines höchsten Wesens gab. Selbst wenn ein ganzer Götterhimmel existierte, galt einer als der höchste Gott. Das lässt sich leicht übertragen, wenn eine neue Religion nur einen einzigen Gott kennt.

In einem kursiver Schriftzug stehen die Worte "Uer Credo".

Manche Religionskritiker sagen, die Menschen hätten diese höheren Wesen erfunden, um all das zu erklären, was nicht zu erklären war. Und je mehr der Mensch verstand, desto kleiner wurde der göttliche Spielraum. Am Schluss bleibt nur noch der Tod, den der Mensch so sehr fürchtet, dass Gott das Weiterleben garantiert.

Andere sagen: Die Tatsache, dass denkende und fühlende Wesen immer schon eine Vorstellung von Gott entwickelt haben, ist so etwas wie ein Gottesbeweis. Gott selbst habe die Sehnsucht nach ihm sozusagen in die DNA des Menschen eingepflanzt. Eben weil es Gott gibt, konnte der Mensch nie anders, als nach ihm zu suchen.

Dabei kommt es auf das Wort nicht an: Gott – Allah – JHWH. Drei Wörter aus drei Sprachen für das eine höchste Wesen, von dem wir glauben, dass es existiert. Und wer jetzt im Blick auf den Islam zuckt, sollte nicht vergessen, dass auch arabische Christen Gott „Allah“ nennen. So heißt er eben auf Arabisch.