01.04.2020

Anfrage

Ostern: Generalabsolution statt persönlicher Beichte?

Ich habe in der Tageszeitung gelesen, dass Papst Franziskus den Segen Urbi et Orbi vorziehen und damit verbunden eine Generalabsolution erteilen wird. Was bedeutet das genau? Eine Leserin aus Geilenkirchen

Auch wenn die Beichte etwas unmodern geworden ist: Vielen Katholiken ist sie gerade vor Ostern wichtig. Andererseits sollen wir auf persönliche Begegnungen möglichst verzichten – auch auf die mit Priestern – zumal man sich im Beichtstuhl recht nah kommt.

Was daher nun zu tun ist, hat der Vatikan bereits am 20. März entschieden. Er hat wegen der Corona-Pandemie den Priestern in allen betroffenen Gebieten nach Zustimmung des jeweiligen Ortsbischofs die Möglichkeit zur Generalabsolution erteilt. Sie können damit den anwesenden Gläubigen auch ohne Einzelbeichte die Vergebung ihrer Sünden zusprechen.

Die Vergebung der Sünden, die der Priester stellvertretend für Jesus Christus ausspricht, ist normalerweise nur nach einem mündlichen Sündenbekenntnis in der Einzelbeichte möglich. In kollektiver Todesgefahr lässt das Kirchenrecht jedoch auch andere Möglichkeiten zu. Diese sind nun wegen der Corona-Pandemie gegeben.

In dem vom Vatikan veröffentlichten Dekret heißt es, Geistliche sollten diesen Weg vor allem dort eröffnen, wo sich infizierte Menschen in Todesgefahr befinden, etwa in Krankenhäusern. Um möglichst viele zu erreichen, sei auch der Einsatz von Lautsprechern möglich, damit die Betroffenen die Lossprechung auch akustisch wahrnehmen könnten.

Daneben wird an die Möglichkeit erinnert, auch ohne Beichte und ohne Generalabsolution mit vollständiger Reue bei Gott die Vergebung für die eigenen Sünden zu erlangen. Diese Vergebung erfolgt nach kirchlicher Lehre aber nur dann, wenn der Sünder sie mit dem festen Vorsatz verbindet, bei nächster Gelegenheit die dazugehörende Beichte nachzuholen.

Wenn der Papst nun vor Ostern seinen Segen mit der Generalabsolution verbindet, ist genau das gemeint. Katholiken, denen dies wichtig ist, können die Lossprechung erlangen, ohne dass sie dafür persönlich bei einem Priester beichten müssen. Das gilt allerdings nur für diese besondere Situation. Nicht für alle Zeit und Ewigkeit.

Susanne Haverkamp (mit kna)