14.12.2016

Zum 80. Geburtstag von Papst Franziskus

Noch geht ihm nicht die Puste aus

Am Vorabend des vierten Advents feiert Papst Franziskus seinen 80. Geburtstag. Große Feiern wird es nicht geben. Stattdessen sieht sich Franziskus heftiger Kritik ausgesetzt.

Am 17. Dezember wird Papst Franziskus 80 Jahre alt. Foto: KNA

Denk- und Diskussionsverbote sind unter Franziskus gefallen. Er selbst fordert die offene Diskussion. „Das hat er nun davon“, könnte man sagen: Nach öffentlich vorgetragenen Zweifeln von vier Kardinälen an Aussagen des päpstlichen Schreibens „Amoris Laetitia“ zieht die Kritik am Papst Kreise. Unverhohlen wird Franziskus dabei zuweilen in die Nähe eines Irrlehrers gerückt. „Manche verstehen immer noch nicht“, entgegnete dieser in einem Interview. Das Leben sei nun mal nicht nach dem Schema „Schwarz und Weiß“ zu beurteilen. 

Das ist ein Kernanliegen des Papstes: die Kirche herauszuführen aus einer rigoristischen Beurteilung von Lebenslagen, weg von der moralisch überhöhten Besserwisserin, hin zu einer Begleiterin, einer barmherzigen Mutter. Doch damit mutet der Papst seiner Kirche viel zu – er provoziert Diskussionen, bricht mit Traditionen und verunsichert manchen Gläubigen und Hierarchen. 

In gängige Denkmuster lässt sich der Papst dabei nicht pressen. Ist er nun links, liberal, konservativ? Er spricht von Hölle und Teufel, ohne dass ihm das jemand übel-
nähme. Anders schon eher bei seiner massiven Kapitalismuskritik, die sich aus seinen Erfahrungen der ungerechten Wirtschaftssysteme Lateinamerikas speist. 

 

Papst Franziskus: freundlich und machtbewusst

Franziskus ist kein netter älterer Herr, der Kinder tätschelt, sich umarmen und berühren lässt. Das auch. Aber vor allem ist er ein Umkehrprediger. Gerne nimmt er sich das eigene Personal vor – Bischöfe, Priester, Ordensleute. Doch auch einfache Gläubige bekommen ihr Fett weg, etwa wenn er über laue Christen herzieht. Franziskus fordert und mahnt, ermutigt und bestärkt aber auch.  

Sein Reformprogramm einer armen betenden und den Menschen zugewandten Kirche unterscheidet sich gar nicht so sehr von der entweltlichten Kirche, die Papst Benedikt in seiner Freiburger Rede erträumte. Anders als Benedikt aber versteht es Franziskus, seine Botschaft mit Gesten und Taten zu unterstreichen. Er führt das Papstamt auf menschliches Maß zurück. 

Macht und Würde seines Amtes hat er dabei beileibe nicht vergessen. „Es gefällt mir ganz gut“, antwortete er auf die Frage, wie es ist, Papst zu sein. Bei der Familiensynode ließ er keinen Zweifel daran, wer Herr im Hause ist. Um seinen Führungsanspruch zu untermauern, zitierte er aus dem Ersten Vatikanischen Konzil, das wegen des Unfehlbarkeitsdogmas nicht unumstritten ist. „Das hat sich bislang noch kein Papst getraut“, sagt Pater Bernd Hagenkord von Radio Vatikan. Auch im Alltag hält Franziskus die Zügel in der Hand. Die bei seinen Vorgängern fast übermächtigen Sekretäre wie Stanislaw Dziwisz oder Georg Gänswein gibt es bei Franziskus nicht. „Alles, was den Papst angeht, geht tatsächlich über seinen Schreibtisch“, sagt Pater Hagenkord.

Dennoch bleibt unter Franziskus das Papstamt etwas Besonderes. Einen Rücktritt zu einem festen Termin, etwa zum 80. Geburtstag wie bei Kardinälen, hat er ausgeschlossen: „Das Amt des Papstes hat etwas von einer letzten Instanz. Es ist eine besondere Gnade.“ Und diese Instanz verlässt man auch in den Augen von Franziskus erst, wenn die Kräfte tatsächlich aufgezerrt sind.

Von Ulrich Waschki