23.09.2011

Wer sind 2011 die zehn einflussreichsten Katholiken der Welt?

Katholisch und mächtig

Die reichsten, einflussreichsten, mächtigsten Menschen der Welt – vor allem US-Magazine warten gerne mit solchen Listen auf. Vor kurzem hat die „Jerusalem Post“ die 50 einflussreichsten Juden der Welt gekürt. Wir haben die zehn einflussreichsten Katholiken der Welt gesucht.

Die ersten drei Plätze auf der Liste der einflussreichsten Katholiken der Welt: Papst Benedikt XVI., US-Vizepräsident Joe Biden, IWF-Chefin Christine Lagarde.


Papst Benedikt XVI. ist der einflussreichste Katholik der Welt. Als Oberhaupt der katholischen Kirche folgen – mehr oder weniger – 1,2  Milliarden Katholiken seinem Wort. Er ist weltweit anerkannt als moralische Instanz, ein Bild mit ihm ist für viele Staatslenker innenpolitisch wichtig. Wenn der Vatikan politische Entwicklungen kritisiert, kann es für manchen Politiker unbequem werden: In Australien etwa haben die Kirchen jetzt eine ökumenische Initiative gegen die Homo-Ehe gestartet.
Ganz oben auf der Liste der einflussreichsten Katholiken steht auch US-Vizepräsident Joe Biden. Nicht immer kann man von US-Vizepräsidenten sagen, dass sie einflussreich sind. Manchmal scheint es ein Job wie britischer Prinzgemahl zu sein. Bei Joe Biden und US-Präsident Barack Obama ist das anders. „Solide Alliierte und enge Freunde“, nennt der ehemalige Stabschef im Weißen Haus, Rahm Emanuel, die zwei. Hinter verschlossenen Türen spreche Biden Klartext mit Obama.
Nach dem Papst und dem US-Vizepräsidenten verlässt man aber die eindeutigen Ergebnisse: Danach kommen entweder Katholiken, die nicht in der höchsten weltpolitischen Liga mitspielen oder deren Verhältnis zur Religion unklar oder gar gespannt ist.
Gerade in die höchste Liga aufgestiegen ist Christine Lagarde, Direktorin des Internationalen Währungsfonds. Ihm kommt gerade in der durch überbordende Staatsverschuldung verursachten Finanzkrise eine besondere Bedeutung zu. Von Lagarde ist allerdings nicht bekannt, welche Bedeutung ihr katholischer Hintergrund für ihr Handeln hat.

Welche Rolle spielt der persönliche Glauben?
Von außen lässt sich diese Frage auch nur schwer beantworten. Sicher ist, dass Menschen wie Lagarde oder Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy schon aufgrund ihrer Biografie – Lagarde soll zweimal geschieden sein – ein nicht ganz unbelastetes Verhältnis zu ihrer Kirche haben dürften. Die Führerin der indischen Regierungskoalition, Sonia Ghandi, ist als gebürtige Italienerin katholisch. Öffentlich spielt ihre Religion aber keine Rolle. Auch zu den Christenverfolgungen in Orissa hat sie keine Stellung genommen. Beobachter vermuten, dass sie Hindu-Nationalisten damit keine Angriffsfläche bieten wollte.
Auch die Frage, wie mächtig die Personen auf der Liste wirklich sind, kann letztlich niemand abschätzen. Italiens Ministerpräsident Berlusconi etwa ist politisch nicht nur wegen seiner Affären angeschlagen, sondern auch wegen der Schuldenkrise Italiens und seiner Ankündigung, bei der Wahl 2013 nicht mehr anzutreten. Und abseits solcher Fakten: Wer weiß schon, welche grauen Eminenzen im Hintergrund eine Rolle spielen?

 

Hier die vollständige Liste

Platz 1: Papst Benedikt XVI.

Er ist das Oberhaupt von rund 1,2 Milliarden Katholiken und damit der größten religiösen Gruppe der Welt und gilt als moralisches Gewissen der Welt. Seinen Einfluss hat er aber auch seinem besonderen völkerrechtlichen Status zu verdanken, der ihn modernen Staatsoberhäuptern gleichstellt.

Platz 2: US-Vizepräsident Joe Biden

„Meine Vorstellung von der eigenen Persönlichkeit, von Familie, Gemeinschaft und von der ganzen Welt kommt unmittelbar aus meinem Glauben“, schreibt der US-Vizepräsident in seiner Autobiografie. Allerdings wird er aus kirchlichen Kreisen wegen einer liberalen Haltung in der Abtreibungsfrage kritisiert.

Platz 3: Christine Lagard

Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) gehört zu den Schlüsselfiguren bei der Sanierung maroder Staatsfinanzen. Welche Rolle für die ehemalige französische Finanzministerin ihr katholischer Hintergrund spielt, ist unklar. Lagarde ist geschieden, manche Quellen schreiben von zwei Scheidungen.

Platz 4: Nicolas Sarkozy

Als französischer Präsident gehört er zu den mächtigsten Menschen der Welt: Die zweitgrößte Wirtschaftsnation der EU gehört zu allen wichtigen internationalen Organisationen, hat einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat. Sarkozy ist zum dritten Mal verheiratet.

Platz 5: Silvio Berlusconi

Italiens Ministerpräsident ist nicht nur Regierungschef der viertgrößten Volkswirtschaft Europas, sondern auch milliardenschwerer Medienmogul. Allerdings hat er in der Vergangenheit eher mit einem moralisch zweifelhaften Lebenswandel und seinem Kampf mit der Justiz Schlagzeilen gemacht als mit Politik.

Platz 6: Dilma Rousseff

Die linke Politikerin ist brasilianische Staatspräsidentin. Ihre Haltung zum Glauben ist unklar. Sie sei katholisch „auf den zweiten Blick“, sagt sie. Im Wahlkampf war die Wirtschaftswissenschaftlerin wegen einer unklaren Position in der Abtreibungsfrage von christlichen Gruppen kritisiert worden. Brasilien ist mit 200 Millionen Einwohnern das größte Land Lateinamerikas.

Platz 7: Indira Gandhi

Als Vorsitzende der Kongresspartei und des Regierungsbündnisses Indiens ist sie die starke Frau im Hintergrund. Sonia Gandhi ist als gebürtige Italienerin katholisch. Öffentlich spielt ihr Glaube aber keine Rolle. Beobachter vermuten, das hänge auch mit der innenpolitischen Lage zusammen. Gandhi wolle indischen Hindu-Nationalisten keine Angriffsfläche bieten.

Platz 8: Donald Tusk

Polen hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne. Der liberal-konservative Ministerpräsident und bekennende Katholik ist im Moment also eine Schlüsselfigur der Union. Polen ist ein europäisches Musterland, hat das Land doch eine rasante wirtschaftliche Entwicklung hinter sich und die Finanzkrise bislang besser überstanden als viele andere EU-Staaten.

Platz 9: Henri de La Croix de Castries

Als Vorstandsvorsitzender des französischen Versicherungskonzerns AXA ist er Chef eines der größten Konzerne der Welt. Außerdem ist der bekennende Katholik Vorsitzender der Bilderberg-Konferenzen, bei denen jährlich rund 130 hochrangige Wirtschaftsvertreter und Politiker hinter verschlossenen Türen über aktuelle weltpolitische Fragen diskutieren.

Platz 10: Carlos Slim Helu

Der reichste Mann der Welt gilt in seiner Heimat Mexiko als politisch äußerst einflussreich. Zu seinem Firmenimperium gehören u.a. Telekommunikations- und Medienunternehmen. Der Sohn maronitischer Christen aus dem Libanon investiert auch zunehmend in den USA. Der umstrittene Gründer der Legionäre Christi, Pater Marcial Maciel, soll Helu getraut haben.