16.08.2013

Kommentar

Gut, dass sie da sind

Von Hubertus Büker

Es sind nur Zahlen, aber es sind sprechende Zahlen: Allein in den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der katholischen Ordensfrauen in Deutschland von  43 000 auf unter 20 000 halbiert. Über 8000 von ihnen sind altersbedingt nicht mehr aktiv tätig, mehr als 16 000 sind über 65 Jahre alt. Der Nachwuchs: Etwa 100 Frauen bereiten sich gegenwärtig darauf vor, die Ordensgelübde abzulegen.

Die nüchternen Daten führen zu der ernüchternden Feststellung: Eine ganze Weile noch wird es hierzulande Jahr für Jahr weniger Ordenfrauen geben, Jahr für Jahr werden Schwesternkonvente aufgelöst werden und viele weitere Gemeinden, Schulen, Heime, Krankenhäuser werden „ihre“ Schwestern verabschieden müssen. 

In einer solchen Situation darf man sehr dankbar sein, dass die katholische Kirche Weltkirche ist. Der Verband ausländischer katholischer Orden in Deutschland (VKO) zählt mittlerweile über 1000 ausländische Ordensfrauen, die in Deutschland Dienst tun. Großenteils sind es indische Schwestern. Sie finden sich nicht in allen Bistümern und in einigen sind nur einzelne Inderinnen tätig, in Essen oder Osnabrück beispielsweise sind es hingegen jeweils über 100.

Auch diese Zahlen sprechen – davon etwa, dass die Ordensfrauen aus Indien und anderen Ländern der Welt den Rückgang nicht ausgleichen, selbst wenn in den nächsten Jahren weitere Schwestern zu uns kommen sollten. Die Lücke bleibt, sie wird größer, sie schmerzt.

Sie schmerzt vor allem deshalb, weil das Zeugnis der Ordensfrauen (der -männer natürlich ebenso, versteht sich, aber hier soll es speziell um die Frauenorden gehen) im Alltag der Menschen immer seltener erlebbar ist. Die Schwestern tun das, was sie tun, in der Nachfolge Christi, und allein schon durch ihr Ordensgewand ist dies für alle sichtbar. Der Rückgang der Zahlen besagt eben auch: Dieses Land wird geistlich ärmer. 

Schön, dass Ordensfrauen aus anderen Ländern mittun bei der Bekämpfung dieser Armut. Klar: In der Praxis hakt es mitunter; wo immer Menschen verschiedener Sprachen, Kulturen, Mentalitäten aufeinandertreffen, fremdelt man erst einmal, beiderseitig. Zum Dauerzustand darf dies unter Christen aber nicht werden. 

Besonders wir Einheimischen sollten deutlich zum Ausdruck bringen, dass uns die ausländischen Ordensfrauen willkommen sind, dass wir uns darüber freuen, dass sie da sind. Sie bereichern uns – und diese Art der Bereicherung brauchen wir dringend.