11.06.2014

Taufpaten: Wie findet man die Richtigen und wie kann man die Beziehung gut gestalten?

Ehre und Herausforderung

Fast Dreiviertel aller neugeborenen Kinder mit mindestens einem katholischen Elternteil werden katholisch getauft. Wie gelingt es, einen geeigneten Paten zu finden und als Pate eine innige Beziehung zu dem Kind aufzubauen.

 

Schon bei der Feier wichtig: Hier hält die Patin das Kind über das Taufwasserbecken. Foto: kna-bild

„Meine Patentante ist für mich einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben. Ich liebe sie und vertraue ihr. Das wünsche ich unserer Lea auch“, sagt Meike und wiegt ihr Baby sanft. Ihr Ehemann zuckt mit den Schultern: „Leider kenne ich das nicht. Mein Pate war mehr der Geschenkepate, eine innige Beziehung haben wir nicht.“


Viele Paare wünschen sich eine liebevolle Begleitung für ihr Kind und machen sich Gedanken, wer diese Bezugsperson auf dem Lebens- und Glaubensweg sein könnte. „Die wichtigste Frage lautet: Wer ist uns so nahe, dass wir auf Dauer in engem Kontakt bleiben werden?“, meint Annette Höing, Referentin für Katechese im Bistum Münster. Denn die Erwachsenen stellten eine Art von Scharnierstelle dar im Miteinander. Sei das Verhältnis zum Paten getrübt oder herrsche aufgrund einer Auseinandersetzung plötzliche Funkstille, „kann das mit der Patenschaft schwierig werden“. Als weitere Leitfrage nennt sie: Bei wem können wir uns die Bereitschaft vorstellen, eine gute Verbindung zum Kind aufzubauen und über Jahre zu halten?


Sich in Ruhe mit dem künftigen Paten zusammenzusetzen, rät Rainer Stephan, Referent für Gemeindekatechese im Bistum Mainz. „Meistens fühlen sich die Auserkorenen sehr geehrt, doch die gegenseitigen Erwartungen und Wünsche kommen nicht zur Sprache.“ Möglichen Themen wären die Teilnahme an Familienfesten, Unternehmungen mit dem Patenkind, die Unterstützung in möglichen Notsituationen und die Rolle des Paten bei der religiösen Begleitung. Bei Unsicherheiten bezüglich der Verantwortung, die das Patenamt mit sich bringt, rät er Eltern und Paten die Teilnahme an einer Taufkatechese. Solche Kurse würden in vielen Bistümern angeboten.

 


Darf ein Taufpate auch evangelisch sein?


Gina und ihr Mann haben sich entschieden: Ihre beste Freundin und sein Bruder sollen Paten werden. Ein Problem gibt es allerdings: Die Freundin ist Protes-tantin. Kirchenrechtlich kann aber in der katholischen Kirche nur Pate werden, wer selbst katholisch ist. Daher übernimmt die Freundin die Funktion einer Taufzeugin. „Das spielt in unserer Pastoral aber gar keine Rolle“, erklärt Evamaria Biel-Hölzlin, Referentin für Gemeindekatechese und Katechumenat im Erzbistum Freiburg. Die Taufzeugen würden selbstverständlich als Paten eingetragen und hätten die gleichen Pflichten und Rechte. In vielen Gemeinden im Erzbistum Freiburg bekommen alle Paten, auch die Taufzeugen, als Dank und Zeichen der Wertschätzung eine Patenurkunde mit individuellen Angaben und auf Wunsch dem Tauf- oder Konfirmationsspruch des protestantischen Paten. Da aber nicht überall so viel „Fingerspitzengefühl“ herrscht, empfiehlt Annette Höing ein offenes Gespräch zur gewünschten gleichberechtigten Einbindung von Paten und Taufzeugen mit dem Pfarrer. Zum ersten Geburtstag bekommt Lea von ihrer Patin eine Glasmalerei fürs Fenster mit einem stilisierten Kreuz als Motiv. Ihr erster Unmut, „nur“ Taufzeuge zu sein, ist verflogen.

 



Wie kann man ein Kind religiös begleiten?


Und wie sieht es aus mit der religiösen Begleitung? Manchmal reichen schon Kleinigkeiten: Eine selbst gemachte Kerze für den Eintritt in den Kindergarten, eine Kinderbibel zur Einschulung, der Besuch einer Kirche mit Kinderführung oder eines Films im Gemeindehaus. Und natürlich gehört es dazu, an den Festen wie Erstkommunion und Firmung Anteil zu nehmen oder einfach zum Namens- oder Tauftag einen Gruß zu schicken. „Letztlich ist alles, was die Beziehung fördert, gut“, versichert Annette Höing. Je besser der Draht zwischen Pate und Patenkind, desto leichter entwickle sich der Austausch auch über die großen Fragen des Lebens. „Und dann ist man schnell mittendrin – im Gespräch über Gott und die Welt.“

 

 

Drei Irrtümer zum Patenamt:

Paten haben Vorrechte: Viele Eltern verbinden mit der Patenschaft den Wunsch, dass der Pate im Falle ihres Todes für die minderjährigen Kinder sorgt. Dies ist durch das Patenamt juristisch jedoch nicht abgesichert. Sind keine rechtlich gültigen Vereinbarungen zur Vormundschaft, etwa über das Testament getroffen worden, entscheidet das Jugendamt, bei wem das Kind am besten aufgehoben ist.
Mit der Volljährigkeit ist Schluss: Das Patentamt gilt ein Leben lang, wobei die Verantwortung naturgemäß mehr in den Hintergrund rückt, wenn das Patenkind erwachsen ist.
Wenn es nicht klappt, den Paten wechseln: Katholische Taufpaten können nicht ausgetauscht werden. Es ist jedoch möglich, bei der Firmung, zu der immer ein Firmpate gebraucht wird, einen anderen Paten zu wählen.

Von Heike Sieg-Hövelmann