27.02.2013

Auf den neuen Papst warten viele Aufgaben

Die Baustellen des Neuen

Der Stuhl Petri ist leer. In den nächsten Wochen wählen die Kardinäle den neuen Papst. Wer auch immer in den dritten Stock des Apostolischen Palastes einziehen wird, er findet einen vollen Schreibtisch. Denn die Kirche hat einige Baustellen. 

Von Pater Bernd Hagenkord SJ

Auf den neuen Papst warten einige Baustellen.
Das Bild zeigt das Wappen des Vatikans.
Fotos: fotolia, Montage: Gabriele von Hebel

Würden wir uns die Aufgaben, die auf den kommenden Papst zukommen, jeweils als einen Aktenordner vorstellen, wäre das ein Bild zum Verzweifeln. Da ist das Jahr des Glaubens: Benedikt XVI. hat die Frage nach dem Glauben in der modernen Welt fest auf die kirchliche Tagesordnung gesetzt; die Tatsache, dass das Jahr in deutschsprachigen Landen eher untergeht, zeigt, wie wichtig diese Frage ist. Die Enzyklika zum Thema ist nicht mehr fertig geworden, nun ist es am neuen Papst, diesem Thema eine Richtung zu geben.

Auf einer ganzen Reihe von Ordnern würde das Etikett „Wiedervorlage“ kleben: Themen, die uns schon lange begleiten und die auch nicht durch eine einzige Entscheidung, sondern nur durch Entwicklung zu lösen sind: Ökumenefragen zum Beispiel, mit den Ostkirchen genauso wie mit den Kirchen der protestantischen Tradition. Angespitzt wird diese Frage durch eine wachsende Zahl von Kirchen, die nicht wirklich an Ökumene interessiert sind, Pfingstkirchen vor allem. Ethische Fragen, die sich aus der Entwicklung der Technik ergeben, stehen da neben Fragen nach Gerechtigkeit und Frieden.

Dann gibt es die „Problem“-Ordner: Bis zuletzt gab es Meldungen über die Versöhnung und Nicht-Versöhnung mit der Piusbruderschaft. Es gilt weiter, die Aufklärung und die Bildung von Problembewusstsein in Sachen Missbrauch voranzutreiben. Vatileaks und andere Geschichten um den Vatikan haben es in der Vergangenheit gezeigt: Auch in Sachen Verwaltung kommt auf den nächsten Papst und seine Mannschaft Arbeit zu.

Der neue Papst wird auch eigene Themen mitbringen

Und dann gibt es die ganz dicken Ordner: Christenverfolgung und das Verschwinden von fast 2000 Jahre alten Gemeinschaften aus dem Nahen Osten in den Wirren eines Krieges. Die Ausbeutung der Natur und des Menschen, die Würde des Menschen und der Schutz des Lebens. Gleich daneben stehen dann die Ordner mit dem, was der Papst tagtäglich zu tun hat: die Reisen, sein eigenes Erzbistum Rom, die Generalaudienzen, Hochfeste, Politikerbesuche und so weiter.

Da wir annehmen können, dass die Kardinäle einen profilierten Mann wählen, wird der dann auch noch seine eigenen Aktenordner mitbringen. Der neue Papst wird also als Erstes priorisieren müssen. Das Amt heißt ja nicht Nachfolger Benedikt XVI., sondern Nachfolger Petri: Man führt nicht den Vorgänger weiter, sondern „erfindet“ das Amt sozusagen neu. Natürlich haben die beiden Vorgänger das Amt geprägt. Trotzdem wird der Neue sein eigenes Pontifikat entwickeln müssen. Benedikt XVI. hat ihm dazu zwei Geschenke gemacht: Angstfreiheit, was die Möglichkeiten angeht, auch wenn man nicht weiß, was daraus wird. Und das „Nimm dich nicht so wichtig“, das Benedikt XVI. in päpstliche Freiheit verwandelt hat. 

Pater Bernd Hagenkord
Foto: kna-bild

Der Autor ist Leiter des deutschsprachigen
Programms von Radio Vatikan in Rom.