26.04.2017

Anfrage

Das "Sankt-Floriansprinzip"

Mein junger Freund Florian fragte mich nach der Erklärung des Spruches: „Heiliger Sankt Florian, schütz unser Haus, zünd‘ andere an“. Ich konnte ihm nicht weiterhelfen. A. T., 63073 Offenbach


Wenn man als Kind mit dem Namen Florian mit einem solchen Spruch konfrontiert wird, kommt man ins Grübeln: Ist das ernst gemeint? Wer denkt sich einen solchen Blödsinn aus? 

Wann und wo genau dieser Spruch aufgekommen ist, weiß man nicht. Er setzt aber voraus, dass Florian, der 304 im heutigen Lorch an der Enns/Österreich starb und zuvor Amtsvorsteher eines römischen Statthalters war, bereits zum Schutzheiligen gegen Feuergefahr geworden war.

Während seines Lebens hatte Florian –lateinisch: der Blühende – nichts mit Feuer zu tun. Er wurde mit etwa 40 anderen bekennenden Christen hingerichtet, weil er seinem Glauben nicht abschwören wollte. Der Legende nach warf man ihn mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns. Am Ort seiner Bestattung, wo das heutige Augustiner-Chorherrenstift St. Florian steht, soll auf wunderbare Weise eine Quelle entstanden sein: der noch heute fließende Floriansbrunnen. Dort sollen viele Wunder geschehen sein. Aus diesen Erzählungen entstand schließlich die Tradition vom Wasserheiligen Florian. Und von dem war es nicht mehr weit bis zum Patron gegen Feuergefahren. Der wurde Florian im 15. Jahrhundert. Damals machte die Legende die Runde, als Jugendlicher habe er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet.

Wenn in früheren Jahrhunderte ein Feuer durch einen Ort walzte, blieb den Menschen neben den Löschversuchen einiger Mutiger nur übrig, zu fliehen, zu beten und inständig zu hoffen, dass das eigene Haus verschont bleiben möge. Vor dem Hintergrund solcher Ängste verbunden mit dem Sarkasmus, der geschlagenen Menschen mitunter zu eigen ist, formulierte dann jemand dieses ironische Stoßgebet. Zudem steckt im sogenannten „Sankt-Florians-Prinzip“ eine sehr nüchterne Erkenntnis: In höchster Not ist der Mensch oft nur sich selbst der Nächste. Das ist nicht der Wille Jesu, wird hier aber in ein Stoßgebet verpackt. Weil es sich reimt und so absurd klingt, hat es sich besonders hartnäckig verbreitet und erhalten.

Von Roland Juchem