12.04.2012

Kommentar

Ansteckende Zellen

Von Ulrich Waschki

An der Erstkommunion kann man deutlich machen, was unsere Kirche braucht. Hier lässt sich der Weg von der Volkskirche zu einer missionarischen Kirche lernen. Die Familien, die sich auf die Erstkommunion ihrer Kinder vorbereiten, wird man mit Lehrsätzen, routinierten Formen und eingesessenen Gemeinden nicht begeistern. Zu weit weg ist die Glaubensroutine volkskirchlicher Zeiten. Seien wir ehrlich: Es war vor 40 Jahren selbstverständlicher, mit der Kirche zu leben, zur Messe zu gehen, zu beichten. Aber wurde nach dem Glauben des Einzelnen gefragt? Über den Glauben gesprochen? Wenig.

Heute muss das anders sein. Wer Menschen für die Botschaft Jesu begeistern will, muss selbst begeisterter Glaubenszeuge sein. Die Kirche braucht künftig spirituelle Zellen, Gruppen und Gemeinschaften, die sich auf die Suche nach Gott begeben, gemeinsam beten, über ihren Glauben sprechen.

Die Sonntagsmesse einer normalen Gemeinde dürfte für Außenstehende befremdlich wirken – eine Liturgie, die sie nicht verstehen, von Gemeinschaft wenig zu spüren. Wir brauchen Wege, um Außenstehende heranzuführen. Die Erstkommunion ist ideal: Menschen in ähnlichen Lebenssituationen bereiten sich gemeinsam auf ein religiöses Fest vor. Allerdings ist eine gut durchdachte Vorbereitung nötig, die nicht nur die Kinder im Blick hat, sondern Eltern und Katecheten gleichermaßen berücksichtigt. Was nutzt es, den Kindern Freude am Glauben zu vermitteln, wenn sie diese zu Hause nicht erleben können?

Wichtig ist auch, dass sich die Erstkommunionfamilien als besondere Gemeinschaft erleben, als Gruppe von Gottsuchern. Diese Gemeinschaft ist der Schlüssel, um den Glauben zu entdecken. Allein wird es schwierig. Auf dem gemeinsamen Weg können die Familien auch Formen des Gottesdienstes kennenlernen, die sie zum Verstehen der Eucharistiefeier führen.

Allerdings dürfen wir die „Erfolge“ solcher Wege nicht mit bisherigen Erwartungen messen. Es geht nicht darum, dass diese Familien unsere jeweilige Gemeinde verstärken. Das wird nur in wenigen Fällen funktionieren – dort, wo die Gemeinden einladen und begeistern. Es geht darum, dass diese Menschen Gott entdecken. Vielleicht finden sie ja zu einem eigenen Kreis zusammen. Und auch dürfen wir nicht damit rechnen, solchermaßen begeisterte Menschen jeden Sonntag in der Gemeindemesse wiederzufinden. Wenn es Angebote gibt – gute und regelmäßige Familienmessen etwa – werden einige sich ansprechen lassen. Immer wieder. Damit ist schon viel gewonnen.