04.03.2019

Hungertuch zur Fastenaktion von Misereor

Der Papst inspirierte den Künstler

"Mensch, wo bist du?" heißt das Misereor-Hungertuch in diesem Jahr. Ein norddeutscher Künstler hat es gestaltet - inspiriert von Papst Franziskus.

Foto: Misereor/Härtl
Das Hungertuch erinnert an eine Weltkarte: Der Künstler Uwe Appold hat es gestaltet. Foto: Misereor/Härtl


Erdkrümel auf ozeanblauem Hintergrund formen eine Art Kontinent. Darauf ein stilisiertes Haus, umgeben von einem großen, goldenen Kreis. Das Misereor-Hungertuch 2019/2020 erinnert an eine Weltkarte. "Mensch, wo bist du?" lautet der Titel des 1,80 mal 2,70 Meter großen Werks, das der norddeutsche Künstler Uwe Appold gestaltet hat.

Die Betrachter sollen "über das Sehen zum Hören kommen", erläutert der Designer, Bildhauer und Maler. Für den Entwurf hat er nur zwei Tage gebraucht. "Das lag am Papst", sagt Appold. Inspiration gab ihm die Umweltenzyklika "Laudato si", in der Franziskus von der Erde als dem "gemeinsamen Haus" der Menschheit spricht, das sie selbst immer weiter zerstört. "Als ich die Enzyklika las, spürte ich den heiligen Ernst der Worte des Papstes."

Daneben sind Krieg und Frieden zwei große Themen für den Künstler. Als einer, der 1942 geboren wurde und in der Nachkriegszeit aufgewachsen sei, sei er dankbar, so lange in einem friedlichen Land leben zu dürfen. Als Alt-68er sieht er den Umgang der deutschen Gesellschaft mit Flüchtlingen kritisch. "Was da passiert, stößt an meine Grenzen des christlichen Verständnisses für Politik", sagt Appold. Als Zeichen für eine tolerante, offene Gesellschaft, aber auch als Mahnung, dass die Menschheit weiter an ihrem gemeinsamen Haus bauen muss, hat das Haus auf seinem Bild eine Öffnung. "Wenn ein Mensch vor meinem Bild steht, dann muss er sich fragen: Wie stehe ich zu der Botschaft von 'Laudato si'? Wie gehe ich damit um?"

 

Appold erst der zweite deutsche Künstler, der ein Hungertuch gestaltet

Foto: Misereor/Härtl
Das aktuelle Hungertuch zur Fastenzeit
Foto: Misereor/Härtl

Appold ist nach Sieger Köder (1996) erst der zweite deutsche Künstler, der seit 1976 von Misereor mit der Gestaltung eines Hungertuchs beauftragt wurde. Das Bischöfliche Hilfswerk knüpft mit diesen Bildern an eine mittelalterliche Tradition an. Seit 1976 wird alle zwei Jahre ein Hungertuch gestaltet und auf Stoff vervielfältigt. Es ist zentraler Bestandteil der Fastenaktion des Hilfswerks, bei der eine bundesweite Kollekte Hilfsprojekte in Afrika, Lateinamerika und Asien finanziert.

Der in Wilhelmshaven geborene Künstler lebt heute in der Gemeinde Langballig bei Flensburg. Der 76-Jährige gestaltete bereits zahlreiche öffentliche Plätze, Schulen, Amtsgebäude, Kirchen und Industriearchitektur in Schleswig-Holstein und darüber hinaus. Seit 1962 stellt er regelmäßig im In- und Ausland aus, darunter auch bei der UNO in Genf und auf Kirchentagen.

Appold war überrascht, dass er als Protestant den Auftrag zur Gestaltung des Hungertuchs für ein katholisches Hilfswerk bekam. "Ich erlaube mir, nicht in konfessionellen Kategorien zu denken. Umso schöner, dass es die Verantwortlichen bei Misereor auch nicht tun", sagt er. Die Aktion der Hungertücher fasziniere ihn. Er sehe damit eine große Verantwortung verbunden: "Ich weiß ja, dass dieses Hungertuch durch Asien, Ozeanien, Afrika und Südamerika geht. Und als einer, der in der abendländischen Kultur aufgewachsen ist, musste ich mich fragen, ob meine Kunst auch in diesen Ländern greift", so Appold.

Der Norddeutsche ist bekannt dafür, Bodenproben in seinen Werken zu verarbeiten. So äußerte er gegenüber Misereor einen besonderen Wunsch: Er wollte Erde aus dem Heiligen Land haben. Was er bekam, sorgte bei dem Künstler für eine Gänsehaut: Einen Sack voll Erde aus dem Garten Gethsemane, wo Jesus in der Nacht vor seiner Kreuzigung mit seinen Jüngern gebetet haben soll. Dieses besondere Material gehört nun zum Hintergrund seines Bilds. Es faszinierte ihn so, dass er im September vergangenen Jahres - nach Fertigstellung des Hungertuchs - einen neuntägigen Arbeitsaufenthalt im Garten Gethsemane verbrachte. Seine Erfahrungen hat er in einem Anfang März erscheinenden Buch festgehalten.

In der Erde fand der Designer auch zwölf Steine, die nun in seinem Bild die Jünger symbolisieren, sowie einige Olivenkerne. Nach einem ersten Medienbericht über sein Werk bekam er viele Anrufe von Menschen, die entweder ein bisschen von der Erde haben wollten oder einen der Kerne, um daraus ein Bäumchen zu ziehen. Appold ist begeistert: "Ist das nicht wunderbar?"

kna