13.03.2019

Unterschriftenaktion Pro Pope Francis

"Er hat sich sichtlich gefreut"

Vor zwei Jahren haben die Theologen Paul Zulehner und Tomáš Halík eine Unterschriftenaktion gestartet, um Papst Franziskus zu unterstützen. Heute hat sich daraus ein internationales Netzwerk entwickelt. Die Theologen kämpfen um die Glaubwürdigkeit der Kirche.

Foto: Vatican Media
75 000 Unterschriften, über 5000 Kommentare von Gläubigen und 150 theologische Aufsätze: Papst Franziskus ist dankbar für die Unterstützung, die Paul Zulehner (links) und Tomáš Halík organisiert haben. | Foto: Vatican Media


Der Wiener Theologe Paul Zulehner und sein Prager Kollege Tomáš Halík wollen den Papst bei seinen Reformen unterstützen. Vor zwei Jahren eröffneten sie online eine Unterschriftenliste, um Franziskus im Streit um den Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen den Rücken zu stärken. Knapp 75 000 Gläubige aus aller Welt bezeugten: „Wir sind dankbar für Ihre mutige und theologisch wohlbegründete Amtsführung.“ 

Kürzlich trafen Zulehner und Halík den Papst: „Er hat sich sichtlich gefreut, als er das dicke Buch mit den Unterschriften gesehen hat. Er freut sich über jeden, der sagt: Dein Weg stimmt, wir unterstützen deine Reformen und geben dir Rückenwind“, sagt Zulehner.

Den beiden Theologen geht es längst nicht mehr nur um eine emotionale Unterstützung des Papstes. Sie wollen ihm mit theologischen Argumenten helfen. Aus der Unterschriftenaktion sei ein „informelles, interkontinentales Netzwerk von Theologen“ entstanden, sagt Zulehner. 150 Theologen haben Aufsätze geschrieben, in denen sie auf Herausforderungen eingehen, Lösungsvorschläge  machen und Reformen benennen.

Zulehner hat vier Probleme herausgearbeitet, bei denen die Haltung der Kirche entscheidend ist für ihre Glaubwürdigkeit: Ökologie, Ökonomie und Gerechtigkeit, Digitalisierung, weltweite Migration. Für Europäer gehört die Frage nach den Frauenrechten dazu. „Es sind die besten Theologen, die wir zurzeit in Europa und Amerika haben. Ihre Botschaft ist: Heiliger Vater, übersieh nicht die Frauenfrage“, sagt Zulehner. „Die Theologen stimmen überein, dass es keine theologischen Gründe gibt, Frauen nicht zu ordinieren. Das Einzige, was uns fehlt, ist der Mut, dass ein Bischof beginnt, Frauen zu weihen.“

Die Theologen wollen den Auftrag des Papstes erfüllen

Zulehner und Halík wollen zu den gro-ßen Zukunftsfragen Konferenzen organisieren und Theologen ihres neuen Netzwerkes einladen. „Der Papst hat uns Theologen aufgefordert, unseren Beitrag am Wirken des Heiligen Geistes zur Entwicklung der Kirche zu leisten. Diesem Auftrag stellen wir uns“, sagt Zulehner. Im Handeln des Papstes erkennt er eine kluge Reformstrategie. „Viele Progressive erwarten von ihm, dass er schnell und autoritär entscheidet. Das wurde früheren Päpsten aber ja gerade vorgeworfen“, sagt Zulehner. 

Franziskus handele anders: „Die Reformen gehen heute nicht mehr vom Zentrum der Weltkirche aus in die Peripherie. Im Gegenteil: Von der Peripherie erfasst eine Reform die gesamte Kirche.“ So werden die Amazonas-Bischöfe im Herbst über die Weihe von verheirateten Männern zu Priestern diskutieren. „Dazu sagen Bischöfe bei uns schon jetzt: Das wird uns unter Druck setzen. Es wird Folgen für die ganze Kirche haben“, sagt Zulehner.

Kerstin Ostendorf