14.01.2020

Kampagne der Caritas will Bild vom Gutmenschen gerade rücken

Sei gut, Mensch!

Wer sich für andere engagiert, wird von Populisten oft als dumm, naiv und weltfremd beschimpft. Die Caritas setzt den Miesmachern jetzt offensiv etwas entgegen. In ihrer neuen Jahreskampagne betont sie: Gute, hilfsbereite Menschen sind für unsere Gesellschaft unverzichtbar.

Foto: imago/IPON
Klare Botschaft: Eine Frau zeigt bei der Unteilbar-
Demonstration in Berlin öffentlich, wofür sie steht.
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Ein guter Mensch zu sein, das sei zutiefst christlich, sagt Peter Neher. „Es ist ein wesentliches Merkmal unseres christlichen Selbstverständnisses, unseren Glauben nicht nur zu behaupten, sondern in die Tat umzusetzen“, betont der Caritas-Präsident. „Durch gute Taten bekommt der Glaube Hand und Fuß.“ In Deutschland aber wird der Begriff Gutmensch oft als Schimpfwort benutzt – spätestens seit 2015, als sich viele Ehrenamtliche für Flüchtlinge engagiert haben. Die Rechten haben ihre Hilfsbereitschaft und Toleranz gern als dumm, naiv und weltfremd diffamiert. Der Begriff wurde so sehr missbraucht, dass er zum Unwort des Jahres gekürt wurde. 

Bis heute gehen die Diffamierungen weiter. Dagegen geht die Caritas jetzt offensiv vor – mit ihrer Jahreskampagne für 2020. Sie trägt den Titel „Sei gut, Mensch!“. Präsident Neher betont: „Wir überlassen den Begriff des guten Menschen nicht den Populisten.“ Was gut ist, das sollen nicht mehr die definieren, die die Helfer niedermachen – nur weil ihnen ihre politische Haltung nicht passt. Neher betont, solidarisches Handeln sei unverzichtbar: „Ohne das Engagement guter Menschen würde das gesellschaftliche Miteinander zusammenbrechen.“ Das zeigen schon die Zahlen: Allein bei der Caritas, so Neher, engagierten sich 340 000 Menschen ehrenamtlich und arbeiteten insgesamt rund 24 Millionen Stunden im Jahr.  

„Wir werden damit gewissen Kräften in die Quere kommen“ 

Er will, dass die ehren- und hauptamtlichen Helfer endlich so wertgeschätzt werden, wie sie es verdienen – egal ob sie sich für Flüchtlinge einsetzen, für Alte und Kranke, für Behinderte oder für all die anderen, die in Not sind und Hilfe benötigen. Er will ein neues Bewusstsein für die Bedeutung des Ehrenamtes schaffen, und er wünscht sich, dass soziale Berufe künftig gerecht entlohnt werden. Vor allem aber will er, dass gutes Handeln in Deutschland nicht mehr schlechtgemacht wird. Neher sagt: „Es wäre schon viel erreicht, wenn gute Menschen nicht mehr pauschal beleidigt werden.“ 

Deshalb stellt die Caritas den Wert dieser Menschen heraus. Auf Plakaten zeigt sie in den kommenden Monaten beispielhaft einige von ihnen, und im Internet erzählt sie ihre Geschichten. Zudem veranstaltet sie zu ihrem Jahresthema einen Kurzfilmwettbewerb und viele regionale Aktionen, und sie bietet Anregungen für Gottesdienste, die das Thema vertiefen. Neher ahnt, dass die Kampagne mit ihrem pointierten Titel manch einen provozieren wird: „Es würde mich nicht wundern, wenn wir dafür auch Häme ernten.“ Aber davon lässt er sich nicht schrecken. Er will ja eine Debatte anstoßen. „Wir setzen ganz gezielt einen Gegenakzent, damit werden wir gewissen Kräften in die Quere kommen“, sagt der Caritas-Präsident.
Auf sachliche Diskussionen, betont Peter Neher, lasse man sich gern ein: „Wenn wir als Reaktion allerdings Verunglimpfungen und Beleidigungen hören, dann gibt’s darauf nichts zu erwidern. Dann lassen wir lieber unsere Plakate sprechen und die Menschen, die darauf abgebildet sind.“ Sie werden das schaffen. Mit ihren Worten und mit ihren Taten. 

Andreas Lesch