14.01.2020

Menschen, die ihren Glauben bezeugen

Ich bezeuge!

Johannes der Täufer bezeugt: „Dieser ist der Sohn Gottes.“ Heute gibt es immer noch viele Menschen, die es ihm gleichtun. Sie geben als Lehrerin, in der Familie oder bei der Taufkatechese ein Zeugnis ihres Glaubens.

Foto: pa/akg-images
Die Figur Johannes des Täufers aus dem Isenheimer Altar
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Sie leben den Glauben in der Familie

Wir leben für und mit dem Glauben. So geben wir in unserem Alltag Zeugnis und versuchen, Vorbilder für unsere Kinder zu sein. Uns war und ist es wichtig, wie wir uns als Paar und als Eltern verhalten. Wir können alle Gesetze der Kirche und Gottes Gebote einhalten – aber ohne Liebe, Barmherzigkeit und Versöhnung im Herzen ist alles sinnlos. 

Der Sonntag ist uns wichtig. Gott ist uns wichtig. Da gehen wir als Start in den Tag gemeinsam zur Kirche. Mit welchem Gesicht gehen wir zur Kirche? Mit welcher Einstellung? Wie schön ist es doch, wenn die Kinder die Messe am Sonntag und auch in der Woche als Quelle des Lebens erkennen. Dadurch und im entsprechenden liebenswürdigen Miteinander bekommen wir unsere Kraft für den Alltag.

Die Kinder sollen erfahren, dass sie seine geliebten Kinder sind. Das gemeinsame Gebet, das gegenseitige Mut und Segen Zusprechen war uns immer wichtig. Genauso spielen auch Menschen eine große Rolle. Viele tragen zum Glaubensleben der Kinder bei: Onkel, Tanten, Großeltern und auch Menschen aus der Kirchengemeinde, Freunde. 

In der Familie herrschen nicht immer nur Friede und Freude. Streit gehört dazu, genauso aber auch die Versöhnung und Bereitschaft, immer wieder neu zu starten. Auch ist unser Leben nicht ohne schwierige Situationen. Das Leid klammern wir nicht aus. Und jetzt, wo die Kinder älter werden, werden auch die Sorgen nicht geringer. Aber dadurch wachsen wir im Glauben immer weiter. Wenn der „Glaubensgrundstock“ gelegt wurde, ist vieles leichter zu ertragen.

aufgezeichnet von Ulrich Waschki


Sie zeigt Paaren einen Weg zur Kirche

„Kennen Sie eigentlich unsere Kirche?“, fragt Nicole Sacha (48) die Eltern von Täuflingen oft. Seit gut zehn Jahren gehört sie zum ehrenamtlichen Taufteam der Pfarrei St. Petrus in Wolfenbüttel. „Viele Eltern sind nur selten im Gottesdienst und haben kaum Kontakt zur Pfarrgemeinde. Da gehe ich gerne mit ihnen in die Kirche und zeige ihnen alles“, sagt sie.

In Wolfenbüttel übernimmt ein Team aus sieben Frauen die Taufkatechese. Sie organisieren die Elternabende, erklären Symbole und Riten zur Taufe und geben Tipps für die Tauffeier. 
Nicole Sacha findet es jedes Mal spannend, welche Vorstellungen von Glaube und Kirche die Eltern mitbringen. „Bei vielen Paaren ist ein Partner evangelisch oder konfessionslos“, sagt Sacha. „Ich wurde schon gefragt, was es mit den Heiligen auf sich hat.“ Andere fragten, wie man das Kind zur Taufe richtig im Arm halte oder ob es ein Problem sei, dass sie als Paar nicht kirchlich geheiratet hätten. Fast freut sie sich über solche Fragen. „Das zeigt doch, dass die Paare sich wohlfühlen und uns vertrauen.“

Sie ist sich sicher, dass sie mit ihrem Dienst auch ein Zeugnis für den Glauben gibt. „Für viele Paare sind wir der erste Kontakt mit der Kirche nach langer Zeit“, sagt sie. „Über uns können die Familien einen neuen Zugang zur Kirche bekommen. Wir zeigen ihnen, dass der Glaube auch ganz bodenständig sein kann. Ich merke fast jedes Mal, dass die Eltern fast ein bisschen aufatmen: Es ist ja doch ganz normal hier in der katholischen Kirche.“ Sacha möchte aber auch Denkanstöße geben. „Die Eltern wünschen sich, dass ihr Kind unter einem besonderen Schutz steht. Der Segen Gottes ist ein solcher Schutz“, sagt sie. 

Kerstin Ostendorf


Sie scheut keine schwierigen Themen

„Natürlich“, sagt Dörthe Blömer, „ich halte es für meine Aufgabe, Zeugnis zu geben für meinen Glauben.“ Die 40-Jährige unterrichtet katholische Religion an einem Gymnasium in Osnabrück. „Inzwischen gibt es in jedem Jahrgang meist nur noch einen Kurs in katholischer Religion“, sagt sie. Die anderen Schüler machen entweder evangelische Religion oder das Ersatzfach Werte und Normen. Und auch die, die sich für Religion entscheiden, seien selten in einer Gemeinde verwurzelt. 

Nun geht es im Religionsunterricht nicht primär darum, das Glauben zu lernen, sondern um Fakten über Religion, Glaube, Kirche, Bibel. Trotzdem, sagt Blömer, komme man auch über persönliche Einstellungen ins Gespräch. „Die Schüler fragen mich, was ich von bestimmten Dingen halte“, sagt Blömer. Wie sie noch in der Kirche sein könnte, bei den ganzen Missbrauchsfällen. Dann versuche sie zu differenzieren. „Ich muss ja nicht alles toll finden, was in der Kirche passiert, aber ich erzähle schon, warum es mir wichtig ist, in der Gemeinde mitzumachen.“ Etwa, wenn sie sich im Kindergottesdienst-Team und als Lektorin engagiert. 

Zeugnis gibt sie auch, wenn es ums Eingemachte geht. „Manchmal gibt es Gespräche über Tod und Sterben“, sagt sie. „Mich hat auch schon mal jemand gefragt, ob ich ihm raten würde, sich firmen zu lassen.“ Dass sie Chris-
tin ist, damit hält Dörthe Blömer nicht hinter dem Berg. 

Ihr ist es aber wichtig, nur zu antworten, wenn sie gefragt wird. „Zeugnisgeben heißt nicht, ständig über meinen Glauben zu reden. Aber ich drücke mich nicht, wenn jemand etwas von mir wissen will.“ Bequem ist das nicht immer, denn oft sind die Anfragen kritisch. „Aber damit kann ich ganz gut umgehen“, sagt sie. „Dann Zeugnis zu geben, das ist Teil meiner Mission, meiner kirchlichen Sendung.“

Susanne Haverkamp