22.11.2018

Oberbayerische Ordensfrauen mit besonderen Haustieren

Kommt ein Alpaka in die Kapelle ...

Was anfängt wie ein Witz, ist in Neuburg an der Donau Wirklichkeit: Ordensschwestern haben sich dort drei Alpakas angeschafft.

Foto: kna
Besondere Haustiere: Oberin Monika Glockann (v.l.n.r.), Schwester Emma Neumeier und Schwester Sophia Treffer mit den drei Alpakas
Foto: kna


Kommt ein Alpaka in die Kapelle ... Was klingt wie der Anfang eines Witzes, ist in Neuburg an der Donau Wirklichkeit. Denn die Congregatio-Jesu-Schwestern in der oberbayerischen Kreisstadt haben sich gleich drei Alpakas angeschafft, kamelartige Tiere mit auffällig langen Hälsen, die ursprünglich aus den südamerikanischen Anden stammen. In Neuburg stehen sie nicht nur draußen auf der Weide und grasen, sondern besuchen die Ordensfrauen auch in ihren Zimmern - und gucken mitunter mal ins Gotteshaus.

"Nicht regelmäßig", wehrt Monika Glockann (64), die Oberin, ab. Sie hält das Trio gerade im Hof ihrer Kommunität an der Leine. "Aber neugierig in die Kapelle reingeschnuppert haben sie tatsächlich schon. Warum auch nicht? Das sind ja auch Geschöpfe Gottes!" Glockanns Mitschwester Barbara Kusche (67) ergänzt: "Letztens waren die Alpakas sogar im Ort in der Kirche, zum Erntedankgottesdienst. Da haben die Leute aber geschaut!"

Große Augen machen jetzt indes die Tiere. Mit Kopfnicken begrüßen sie zwei weitere Schwestern, die gerade herankommen. Emma Neumeier (77) schiebt Sophia Treffer (93) im Rollstuhl herbei - und diese wiederum hat einen Korb auf dem Schoß, der randvoll gefüllt ist mit frisch gepflücktem Klee. "Den lieben sie", sagt Schwester Sophia, greift ins Grün und hält Gucci eine Handvoll Blätter und Blüten vors Maul. Gucci heißt einer der drei Wallache, die anderen zwei sind Ixi und Xerus. "Alle seid ihr ganz, ganz liebe Wesen", flüstert Schwester Sophia den Alpakas zu und tätschelt ihre Köpfe, die sie inzwischen komplett in den Korb versenkt haben.

 

Wie kommen drei Alpakas ins Kloster?

Nun, da die Tiere zu ihrer Zufriedenheit beschäftigt sind, kann Schwester Monika die Leinen locker lassen und erzählen, wie ihre Frauengemeinschaft eigentlich zu den männlichen Mitbewohnern gekommen ist. "Als ich vor zwei Jahren als Oberin hierherkam, dachte ich, aus der brachen Wiese vor unserem Haus könnte man doch etwas machen." Man habe dann überlegt, Esel anzuschaffen. "Aber die sind zu laut, die schreien schon morgens um fünf." Auch Schafe seien im Gespräch gewesen. "Die bauen nur keine enge Bindung zu uns Menschen auf, und die wollten wir schon." Schließlich fiel die Wahl auf Alpakas; in der Nähe des Konvents gibt es nämlich eine entsprechende Zucht.

Also zimmerte Hausmeister Alfred Herrmann einen Zaun und einen Unterstand im Garten der Kommunität. Seither sind dort die "guten Viecher", wie Schwester Sophia sie nennt, nicht nur verlässliche Rasenmäher, sondern auch Garanten für gute Laune: "Sie bringen Leben her und uns zum Lächeln", sagt die Seniorin und zupft sich zwei, drei Kleeblätter vom Ärmel, die die Alpakas beim Futtern auf sie gekleckert haben. Außerdem, wirft Oberin Monika ein, ließen sie sich geduldig streicheln und seien feinfühlig, das helfe gerade auch den dementen Mitschwestern. Bei denen weckten sie dadurch oft Erinnerungen und holten sie so aus ihrer Isolation heraus.

"Stimmt", meint Schwester Sophia, die selbst freilich noch ganz gegenwärtig ist. "Früher hab ich auf dem Bauernhof geschafft. Das war schön, daran denke ich jetzt wieder öfter."

 

Pullover aus der kuscheligen Wolle

Und auch Materielles liefern die Alpakas: Wolle. Wer sie streichelt, der kann locker seine ganze Hand in ihrem Fell vergraben, so tief und dicht ist es und überdies ganz kuschelig weich. "Daraus spinnen wir Pullover", sagt Schwester Monika. "Nicht nur das Ergebnis ist schön, sondern auch die Tatsache, dass bei dem Prozess alle mitmachen können: Man muss die Wolle nach dem Scheren ja erst grob säubern, dann kardieren, also glätten, und am Ende noch waschen. So ein Gemeinschaftswerk hält schön zusammen."

Zusammenhalt ist auch für die Alpakas wichtig. "Das sind Herdentiere. Wenn sie sich nicht sehen, werden sie unruhig", sagt die Oberin, "dann fangen sie an zu fiepen." Das ist allerdings immer noch besser, als das, was die Tiere von sich geben, wenn sie sich kabbeln: Dann wird's mitunter eklig, dann spucken sie sich schon mal an. Bei ihren Hausbesuchen, versichern die Ordensschwestern, hätten sie das aber noch nie getan. Und in der Kapelle schon gar nicht.

kna