02.05.2018

Anfrage

Evangelisches Abendmahl für Katholiken?

Es wird darüber diskutiert, konfessionsverschiedene Ehepaare zur Kommunion zuzulassen. Wie ist es aber mit Katholiken, die am Abendmahl teilnehmen, weil die katholische Kirche zu weit entfernt ist oder es im Pflegeheim nur evangelische Gottesdienste gibt? Ist das eine entschuldbare Notsituation? R. K., Celle

Grundsätzlich gilt: „Katholische Spender spenden die Sakramente erlaubt nur katholischen Gläubigen; ebenso empfangen diese die Sakramente erlaubt nur von katholischen Spendern.“ (Canon 844 §1).

Kontrovers diskutiert wird die pastorale Handreichung der deutschen Bischöfe zum Kommunionempfang des nicht-katholischen Partners in einer konfessionsverbindenden Ehe. Wichtig ist dabei der Canon 844 § 4. Er erlaubt, „wenn nach dem Urteil des Diözesanbischofs bzw. der Bischofskonferenz eine andere schwere Notlage dazu drängt“, die Eucharistie im Einzelfall auch evangelischen Christen zu spenden.

Wenn ein Katholik das Abendmahl in einer evangelischen Kirche empfangen will, wie es in Ihrer Frage anklingt, geht es um die in Canon 844 § 2 erwähnte Möglichkeit für Katholiken, „denen es physisch oder moralisch unmöglich ist, einen katholischen Spender aufzusuchen“. Sie gilt aber nur bei Spendern, „in deren Kirche die genannten Sakramente gültig gespendet werden“.

Dies ist durch das unterschiedliche Eucharistie- und Amtsverständnis in evangelischer und katholischer Kirche derzeit nicht gegeben. Papst Johannes Paul II. hat in seiner Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“ aus dem Jahr 2003 betont, dass Katholiken nicht die Kommunion in einer Gemeinschaft empfangen können, „der das gültige Sakrament der Weihe fehlt“ – und das gilt für die evangelische Kirche.

An Ihrer Frage wird aber deutlich, dass es für viele nur schwer verständlich ist, was hier trennt. Und dies ist vor allem eine pastorale Frage, die nicht durch lehramtliche oder kirchenrechtliche Aussagen allein zu beantworten ist. Mit ihrer geplanten Handreichung für konfessionsverbindende Ehen gehen die deutschen Bischöfe jetzt einen Schritt dahin.

Von Michael Kinnen