24.01.2018

Anfrage

"Es segne euch ..." oder "Es segne uns"?

Am Ende der Messe erteilt der Zelebrant den Segen: „Es segne euch ...“ Warum sagt er nicht „uns“? Haben es die Priester nicht nötig, sich unter den Segen Gottes zu stellen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Missale die Anweisung erhält, sich aus dem Segenswunsch auszuschließen. H. M., Diekholzen

Doch, das Messbuch schreibt Priestern genau diese Segensformel vor: „Es segne euch ...“ (Allgemeine Einführung Nr. 124). Aber warum? Zunächst: weil der Priester als Vorsteher der Feier für die anderen da ist. Er sagt ja auch: „Der Herr sei mit euch“ oder „Der Friede sei mit euch“ –  obwohl er sich vermutlich auch die Nähe des Herrn und den Frieden wünscht. Das hat zu tun mit seiner Funktion und Aufgabe als Vorsteher der Feier. Der Segen ist Teil seines Dienstes an der Gemeinde.

Außerdem: Es ist nicht verwerflich, ausdrücklich andere zu segnen. Wenn ein Vater sein Kind segnet, sagt er ja auch „Jesus segne dich“ oder „Der liebe Gott beschütze dich“. Meint er deshalb, selbst den Segen und den Schutz nicht nötig zu haben? Wahrscheinlich nicht. Es ist nur in diesem Moment gerade das Kind dran, dem man den Segen Gottes zuspricht. Auch im ältesten Segen der Bibel, dem Aaronitischen Priestersegen, heißt es: „Der Herr segne und behüte dich ...“ (Numeri 6,24-26).

Schließlich: Auch wenn Priester in der Messe den Schlusssegen sprechen, ganz ungesegnet bleiben sie nicht. Zum Beispiel, wenn sie selbst einen Gottesdienst (nur) mitfeiern und ihm nicht selbst vorstehen. Oder wenn sie das Bußsakrament empfangen. Oder wenn sie einen Tischsegen sprechen.

Viel problematischer ist die Frage, warum Laien, wenn sie einem Wortgottesdienst vorstehen, eben nicht „Es segne euch ...“ sagen. Vorgeschrieben ist für Laien eine sogenannte „inklusive Formel“, etwa: „Der Herr segne uns und bewahre uns ...“ Das ist dann eine Segensbitte im Unterschied zum priesterlichen Segenszuspruch.

Argumentiert wird hier vor allem mit dem Weiheamt und dem Handeln „in persona Christi“, die beim Priester vorliegt, beim Laien nicht. Das stimmt zwar, allerdings gibt es theologisch keinen quantitativen oder qualitativen Unterschied des Segens. Deshalb würden die genannten Gründe auch für Laien gelten, so dass Ungereimtheiten bleiben.    

Von Susanne Haverkamp