25.01.2017

Anfrage

Was sind die "Hörner des Altars"?

In Psalmen (etwa Ps 118) wie auch in Texten der Bibel, etwa dem 1. Buch der Könige, liest man von den „Hörnern des Altares“. Was genau hat es damit auf sich? Wo liegt der Ursprung dieses Altartyps? A.H., Mönchengladbach

Aus den Machtkämpfen um Salomos Thron wird im 1. Buch der Könige berichtet: „Man meldete Salomo: Adonija hat aus Furcht vor König Salomo die Hörner des Altars ergriffen und gesagt: König Salomo schwöre mir zuerst, dass er seinen Knecht nicht mit dem Schwert hinrichten lässt.“ (1,51)

Hörner an Altären waren im Israel/Palästina der biblischen Zeit häufig. Archäologisch lassen sie sich bis ca. 1000 v. Chr. zurückverfolgen. Und in der Bibel finden sie als Rauchopfer- und Brandopferaltäre Verwendung. Vermutlich standen sie sogar vor dem Jerusalemer Tempel, wenn man der Baubeschreibung der Tempelgerätschaften aus dem Exodusbuch folgt: „Auch machte er (Bezalel) den Räucheraltar aus Akazienholz, eine Elle lang, eine Elle breit – also quadratisch – und zwei Ellen hoch; seine Hörner bildeten mit ihm eine Einheit.“ (Ex 37,25–26)

An die Altarhörner sollte das Blut der Opfertiere gestrichen werden, um beispielsweise das Volk Israel oder aber auch die ausführenden Priester von ihren Sünden zu reinigen. Die Hörner konnten aber auch Rettung für einen Angeklagten sein, da sie Schutz vor der Verfolgung boten. Genau dies findet sich in der Geschichte von Adonija, die eingangs geschildert ist.

Warum ein Altar aber überhaupt Hörner hatte, darüber wird bis heute spekuliert: ob es sich zum Beispiel ursprünglich um eine Halterung für eine Schale auf dem Altar handelte oder ob diese vier Hörner Gottheiten symbolisierten. Am meisten verbreitet ist die These, dass die Hörner Türme waren.

Altäre galten als kleine Tempel, vor allem dort, wo kein Tempel stand. Die Hörner sind somit übrig gebliebene Hinweise auf das Tempelgebäude, insbesondere auf seine Türme, die dafür standen, dass man hier Schutz suchen konnte. Insofern erscheint auch die Handlung Verfolgter sinnvoll, durch das Umfassen der Hörner des Altars Schutz zu suchen. 

von Christoph Buysch