13.04.2017

Anfrage

Was bedeuten rotgefärbte Ostereier?

Im vergangenen Jahr haben wir erlebt: Zum Ende des Osternachtsgottesdienstes wurden nach dem Segen an die Teilnehmer rotgefärbte Eier verschenkt. Leider ohne Erklärung. In der Hoffnung, von Ihnen eine Erklärung zu erfahren: Ist das Brauchtum oder freundliche Geste? Wo liegt der Ursprung? E. W., per E-Mail


Dass direkt nach dem Ostergottesdienst Ostereier verschenkt werden, ist in erster Linie wohl eine freundliche Geste – verbunden hoffentlich mit einem freundlichen Ostergruß. Sie beruht aber auf dem bekannten Brauch, zu Ostern gefärbte oder anderweitig verzierte Eier zu verschenken und zu verspeisen.

Denn das Ei ist in der Tat ein sehr altes christliches Symbol für die Auferstehung Jesu an Ostern. So gibt es dazu eine Legende: Nach ostkirchlicher Tradition verließ Maria Magdalena mit anderen Aposteln Jerusalem, um das Evangelium in der Welt zu verkünden. So kam sie auch nach Rom. Bei einem Essen soll sie Kaiser Tiberias (14–37) von der Auferstehung Jesu berichtet und ihm als Symbol ein rotes Ei überreicht haben: so wie aus dem scheinbar toten, weil reglosen Ei neues Leben schlüpft, so sei Jesus Christus aus dem Grab erstanden.

Nach einer anderen Version machte der Kaiser sich lustig über Marias Glauben: „Ein Toter kann ebensowenig wieder lebendig werden, wie dieses Ei“ – dabei griff er eines vom Tisch vor ihm – „plötzlich rot werden.“ Kaum hatte er das gesagt, wurde das Ei in seiner Hand rot.

Rot gefärbte Eier – allein oder in einem Osterkranz gebacken – wurden so zu einem Symbol neuen Lebens und zu einem frühen Osterbrauch in der orthodoxen Kirche. Und von dort kommen auch unsere Ostereier.

Von Roland Juchem