13.06.2017

Anfrage

Warum wird Erde ins Grab geworfen?

Warum werden bei Beerdigungen drei Hände oder auch drei Schippen Sand oder Erde ins Grab geworfen? D. P., 12051 Berlin


Der Ritus der Beerdigung wird begleitet durch eine Reihe von Zeichen, die die Trauer erträglicher und die christliche Hoffnung auf Auferstehung sichtbar machen sollen. Dazu gehört auch, dass Erde auf den ins Grab hinabgelassenen Sarg geworfen wird. 

Dazu spricht der Leiter der Beerdigung: „Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück. Der Herr aber wird dich auferwecken.“ In einer früheren Version lautete das ausdeutende Wort: „Von der Erde bist du genommen – zur Erde kehrst du zurück. Der Herr aber wird dich auferwecken.“ Die Vergänglichkeit wird sichtbar, aber der Tod und die Vergänglichkeit haben nicht das letzte Wort: Für Christen bleibt die Hoffnung auf die Auferstehung. 

Weitere Zeichen christlicher Hoffnung sind die Besprengung des Grabes oder des Sarges mit Weihwasser, das an die Taufe erinnert, die so genannte „Inszens“ mit emporsteigendem Weihrauch und das ausdeutende Wort „Dein Leib war Tempel des Heiligen Geistes. Der Herr nehme dich auf in das himmlische Jerusalem“ sowie die Aufrichtung des Kreuzes am Grab oder alternativ die mit der Hand vollzogene Geste des Kreuzzeichens. 

Die Reihenfolge Weihwasser – Weihrauch – Erde – Kreuz spannt dabei auch den Bogen von der Taufe und dem Leben über den Tod und die Rückkehr zur Erde hin zur Auferstehungshoffnung ins himmlische Leben.

Auch wer an einer Beerdigung teilnimmt und das möchte, kann durch solche Zeichen seine Anteilnahme sichtbar ausdrücken. In manchen Orten ist es üblich, ebenfalls Erde auf den Sarg zu werfen, damit sinnfällig die Beerdigung – also die Übergabe des toten Leibes an die Erde – mit-zuvollziehen. An anderen Orten ist es üblich, Blumen oder Blütenblätter in das Grab zu werfen oder mit Weihwasser den Verstorbenen schon am Sarg in der Leichenhalle oder Kirche oder direkt am Grab zu segnen. 

Dass die Segensgeste dreifach geschieht, hängt wohl auch mit dem Segenswort auf die Dreifaltigkeit im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zusammen. Dies ist aber nicht vorgeschrieben.

Von Michael Kinnen