Deutsche Bischöfe zu "Amoris Laetitia"

Von Liebe, Schuld und Neubeginn

Vor neun Monaten veröffentlichte Papst Franziskus sein Schreiben „Amoris Laetitia“ über Ehe und Familie. Nun äußern sich die deutschen Bischöfe. Der wichtigste Punkt: Wiederverheiratet Geschiedene dürfen zur Kommunion. In Einzelfällen.

Glückliche Liebe im zweiten Anlauf? Nun ist auch der Neuanfang in der Kirche möglich. Foto: imago

Eigentlich ist die Sache klar: In „Amoris Laetitia“ öffnet der Papst wiederverheiratet Geschiedenen in Einzelfällen den Zugang zu den Sakramenten von Beichte und Kommunion. Kritiker meinen, der Papst stifte Verwirrung, weil dieser Weg der Unauflöslichkeit der Ehe widerspreche. Mitte der Woche stellten sich die deutschen Bischöfe mit einem gemeinsamen Papier hinter den Papst. Auch sie sehen die Möglichkeit, dass wiederverheiratet Geschiedene zur Kommunion gehen können. In Einzelfällen, nachdem sie von einem Seelsorger begleitet wurden und ihr Gewissen erforscht haben. Der früher – zumindest auf dem Papier – geltende unumstößliche Kommunion-
ausschluss ist Geschichte.

Schließlich widerspreche es der Logik des Evangeliums, wenn Menschen auf ewig verurteilt werden. Die Kirche soll helfen, das Gewissen zu bilden, es aber nicht ersetzen, zitieren die deutschen Bischöfe den Papst. 

Zunächst nicht ungewöhnlich, dass sich Bischöfe hinter den Papst stellen. Dennoch: Die deutschen Bischöfe haben eine gemeinsame Position gefunden. Ihre Amtsbrüder in den USA oder Italien dagegen widersprechen sich. Und auch bei uns konnte sich vor einiger Zeit eine Minderheit von Bischöfen den jetzt gefundenen Weg nicht vorstellen. 

 

Modell für weitere heikle Fragen?

Vielleicht auch, weil die Lösung für die wiederverheiratet Geschiedenen ein Modell für andere knifflige Fragen sein kann. Die Diskussion wird kommen, ob sie nicht auch unverheiratete oder homosexuelle Paare betrifft, die in dem aktuellen Papier freilich nicht erwähnt werden. Anders die konfessionsverschiedenen Ehen. Deren Situation beschreiben die Bischöfe als schmerzhaft und herausfordernd ohne weitergehende Hinweise oder Lösungen. Dafür fordern sie, Ehevorbereitung und Begleitung zu verbessern und die Familie als Lernort des Glaubens zu stärken.

Um klarzumachen, dass es um mehr als nur diese Frage geht, wenden sich die Bischöfe den wiederverheiratet Geschiedenen erst am Ende zu. Mit einem klaren Bekenntnis: „Die Unauflöslichkeit der Ehe gehört zum Glaubensgut der Kirche.“ Daran lasse – anders als Kritiker meinen – „Amoris Laetitia“ „ebensowenig Zweifel wie an der Notwendigkeit eines differenzierenden Blickes auf die jeweiligen Lebenssituationen der Menschen“. 

Und dazu gehört eben, dass Ehen scheitern. Die Bischöfe raten zur Eheannullierung. Wenn das nicht geht, sollen Paare in Gesprächen mit einem Seelsorger ihren weiteren Weg klären. Ohne kategorischen Ausschluss, aber auch ohne „Automatismus in Richtung einer generellen Zulassung“ zu den Sakramenten. 

Kriterien für die Begleitung finden sich in „Amoris Laetitia“ selbst, so die Bischöfe. Dabei geht es unter anderem um Schuld, den Umgang mit den Kindern und die Frage, welche Werte die neue Partnerschaft prägen. Keine generelle Regelung, sondern ein anspruchsvoller Weg – für Seelsorger und Betroffene. Für die, die ihren Glauben in der Kirche leben wollen, öffnet sich damit aber die Chance auf einen Neuanfang – auch im Beichtstuhl und an der Kommunionbank.

Von Ulrich Waschki