10.04.2017

Anschläge auf koptische Christen

IS-Terror in Ägypten

Die Zahl der Todesopfer kletterte am Sonntag von Minute zu Minute. Rund 40 Menschen starben bei den beiden Anschlägen auf koptische Kirchen im nordägyptischen Tanta und der Hafenstadt Alexandria, Dutzende wurden verletzt.


kna
Kopten hielten 2015 vor dem Berliner Dom einen Schweigemarsch für die durch den IS Ermordeten Christen in Libyen ab.

 

Ausgerechnet während der Palmsonntagsmesse zum Auftakt der Karwoche schlug der Terror zu. Die Botschaft hinter dem Grauen, zu dem sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" bekannte, ist klar: Das uralte koptische Christentum, älter als der Islam selbst, hat aus Ägypten zu verschwinden. Ginge es nach diesen Kräften, hätte es das 1400-jährige, überwiegend friedliche Miteinander zwischen Kopten und Muslimen nie gegeben.

In Tanta sprengte sich der Attentäter in der großen Sankt-Georgs-Kirche inmitten vollbesetzter Kirchenbänke in die Luft. In Alexandria gelang es der Polizei offenbar noch, den Terrorbomber vor der Sankt-Markus-Kathedrale zu stoppen, wo er seine Ladung zündete und etliche mit in den Tod riss. In der Hauptkirche der Koptisch-Orthodoxen feierte deren Oberhaupt, Papst Tawadros II., den Gottesdienst. Womöglich galt der Angriff auch ihm persönlich.

"Bestürzung und große Trauer"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärte am gestrigen Sonntag: „Mit Bestürzung und großer Trauer habe ich die Nachrichten aufgenommen ... Im Gebet bin ich den Opfern dieser Bluttat und den Angehörigen nahe ... Es soll unmittelbar vor dem Besuch von Papst Franziskus Hass gesät werden. Es waren zugleich Attentate gegen das friedliche Zusammenleben von Christen und Muslimen. Die Gläubigen aus den verschiedenen Religionen und besonders die Verantwortungsträger müssen dem Hass und der Gewalt eine entschiedene Absage erteilen.“

Erst vor sechs Monaten waren beim Bombenattentat auf die Kairoer Sankt-Markus-Kirche fast 30 Menschen gestorben. Auch damals reklamierte der IS die Tat für sich. Sie war auch ein blutiges Fanal gegen die allmählich zunehmende religiöse Toleranz unter Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Der General und Politiker setzt auf mehr Fortschritt und die Einheit der mehr als 90 Millionen Ägypter. Und er weiß, dass er dabei auf das ökonomische und wissenschaftliche Potenzial unter den rund 9 Millionen Kopten nicht verzichten kann. Ihr Exodus wäre eine Katastrophe für Ägypten.

Die brutalen Anschläge am Palmsonntag dürften auch mit Blick auf den unmittelbar bevorstehenden Besuch von Papst Franziskus in Kairo geplant worden sein. Bei seiner Visite am 28. und 29. April will der Papst einerseits den Glaubensbrüdern Mut machen, deren orthodoxer Teil nicht Rom untersteht, und andererseits eine neue Seite im lange unterkühlten katholisch-muslimischen Dialog aufschlagen. Dazu trifft er sich mit dem Großscheich der sunnitischen Al-Azhar-Universität, Ahmed al-Tayyeb - aus Sicht der Terrorkämpfer nichts als Verrat am Islam. Die Reise soll wie geplant stattfinden.

kna/dbk