Ihren Siegeszug hat die Krippe den Jesuiten zu verdanken

Ochs und Esel sollten raus - vergeblich

In vielen Familien ein andächtiges Ritual: das Aufstellen der Weihnachtskrippe kurz vor Heiligabend. Unter dem Baum darf sie nicht fehlen. Doch woher kommt dieser Brauch und wer gehört zum festen Inventar im Stall?

Krippe mit lebendigen Darstellern im italienischen Greccio

Im 100 Kilometer von Assisi entfernten Greccio wird noch heute das Weihnachtsevangelium mit lebenden Personen dargestellt.

 

Im tiefen Dunkeln des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts vermutet die Volkskunde den Ursprung der heutigen Weihnachtskrippe. Erzählungen der Kreuzritter vom Heiligen Land sollen den Drang verstärkt haben, das weihnachtliche Geschehen in Betlehem bildlich darzustellen. Gerne wird dabei der heilige Franz von Assisi als „Krippenvater“ genannt. Er soll erstmals 1223 in Greccio (Umbrien) eine Krippe mit lebenden Personen arrangiert haben – noch ohne Josef. Erst später zog der Zimmermann in den Stall zu Betlehem ein.

Der eigentliche Siegeszug der Weihnachtskrippe begann in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, als die Jesuiten während der Gegenreformation sie dazu nutzten, die Menschen zu belehren und die katholische Volksfrömmigkeit wiederzubeleben. Bildlich sollte ihnen die Geburt Jesu vor Augen gestellt werden.Zunächst in Kirchen aufgestellt, bahnten sich die Krippen dann ihren Weg über die Adelshäuser, um über die Bürgerhäuser (ab dem 17. Jahrhundert) schließlich in den Wohnstuben der Landbevölkerung und der Arbeiter ihren Platz zu finden.

Erwähnt wird die Weihnachtsgeschichte lediglich im Lukas-evangelium, noch knapper bei Matthäus. „Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln ge­wickelt, in einer Krippe liegt“, heißt es bei Lukas. Für mehr Leben in der Inszenierung zog im Laufe der Zeit weiteres Personal in den Stall ein, übrigens wird die Unterkunft in der Bibel auch nicht erwähnt. Ebenso wie Esel und Ochse. Das Trienter Konzil (1545–1563) hatte noch versucht, die Tiere um der Wahrheit der Heiligen Schrift willen aus der Krippe zu verbannen. Letztlich ohne Erfolg.

Überhaupt: Seit jeher hat die Theologie wenig Einfluss auf die Gestaltung der Krippen gehabt. Schon seit Jahrhunderten unterliegt der Krippenbau der Volkskunst. Die Interpretationen der Künstler sind so vielfältig wie unterschiedlich. Und so bekommt das Kind in der Krippe in Neapel nicht nur von den Hirten sondern auch von Berlusconi, Merkel und Pavarotti Besuch.

Daniel Gerber