Drohende Hungersnot in Westafrika

Nicht schon wieder zu spät!

In Kenia, Somalia und Äthiopien habe die Welt zu spät reagiert, als sich Ende 2010 eine Hungersnot abzeichnete, kritisierten kürzlich zwei britische Hilfswerke. Erst ein halbes Jahr nach den ersten Warnungen sei die Hilfe angelaufen. Zwar weisen die UN-Koordinatoren für die Somalia-Hilfe den Vorwurf zurück, man habe zu spät reagiert. Aber sie räumten ein, zu Beginn des Großeinsatzes 2011 sei das Geld knapp gewesen.
Das ist die Crux mit Hungersnöten. Wenn es erste Anzeichen gibt, wenn zu wenig oder zu spät Regen fällt, wenn Sprösslinge vertrocknen, kann daraus eine Not werden. Ganz sicher ist das aber nicht. Deswegen denken mögliche Geldgeber: Warum Geld locker machen, wenn man nicht weiß, ob eine Katastrophe kommt? Privatpersonen spenden oft erst, wenn die Not es mit vielen Bildern in die weltweiten Medien geschafft hat.
Dürre und leere Vorratslager in den Sahelstaaten Mali, Mauretanien und Tschad haben es noch nicht in die Hauptnachrichten geschafft. Aber dort drohen sich die gleichen Fehler zu wiederholen wie 2010 in Ostafrika. „Spätestens seit Oktober wussten wir, dass die letzte Ernte viel magerer ausfällt“, sagt Albrecht Hartmann vom Hilfswerk World Vision.

Magere Ernte,
leere Vorratskammern

Jetzt sind die knappen Vorräte der Haushalte leer, auch die der örtlichen Kooperativen. Gleichzeitig steigen die Preise, vor allem wenn Regierung und Händler Vorräte gehortet oder exportiert haben. Wird zudem das Vieh verkauft, das Saatgut aufgegessen, erreichen Armut und Hunger drei bis vier Monate vor der nächsten Erntezeit ihren Höhepunkt. „Für Juni bis September fürchten wir das Schlimmste“, sagt Hartmann.
bei einem Kind wird der Oberarm vermessenDie Welt wisse, „dass es in Westafrika nicht zuletzt durch die Folgen des Klimawandels immer wieder zu Trockenzeiten kommen kann und sich in mehreren Ländern die Nahrungsmittelkrise dramatisch zuspitzt“, warnt Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon. Unverständlich, dass die Völkergemeinschaft so lange benötigt, um zu helfen.
Dabei gibt es Frühwarnsysteme. Monatlich sammelt die Welternährungsorganisation FAO Daten in den Ländern. Nur will die zu Beginn keiner hören. Die aktuelle Not in Somalia wird eher berichtet und behandelt als die bevorstehende in Mali. Dabei wäre Vorbeugung so wichtig. Wer hier einen Euro investiert, sagen Hilfswerke, kann bis zu sieben Euro bei der Katastrophenhilfe sparen.

Und was kann ich tun?
Drei Dinge …

Mitunter sind die Erfolge direkt ablesbar von einem Distrikt zum anderen, je nachdem wie die vor Ort Verantwortlichen auf eine frühere Not reagiert haben. Noch wäre die große Katastrophe in Westafrika abwendbar. EU, Bundesregierung und Hilfswerke haben ihre Hilfen aufgestockt. Und was kann der Einzelne tun? Dreierlei, sagt Albrecht Hartmann: „Spenden, Politiker an ihre globale Verantwortung erinnern und mit dem eigenen energie- und fleischsparenden Lebensstil einen kleinen Teil dazu beitragen, dass Getreidepreise nicht steigen.“

Roland Juchem