Mit "funk" haben ARD und ZDF eine neue Jugendlattform ins Internet gestellt

Mit der Zielgruppe auf dem "Klo"

Mit „funk“ haben die öffentlich-rechtlichen Sender eine Plattform für junge Leute ins Netz gestellt. ARD und ZDF wollen damit jene Generation erreichen, die kaum noch Fernsehen schaut, dafür aber ständig online ist. Doch die Inhalte auf „funk“ haben es, freundlich formuliert, in sich.

Viel eindeutiger kann man nicht formulieren. „Meine Freundin will nicht blasen? Fickt Euch!“. Gleich daneben ein Bild, das kaum Fragen offen lässt. Eine junge Frau, die sich sichtlich angewidert von einem männlichen – Gott sei Dank – in Unterhose verhüllten Unterleib abwendet. „Das kann nicht sein“, denke ich. „Da habe ich mich wohl verklickt“. Gesucht hatte ich nach dem neuen Jugendportal „funk“, das ARD und ZDF seit Oktober mit viel Werbeaufwand ins Internet gestellt haben…

Klartext oder einfach nur unter der Gürtellinie?

Screenshot von der "funk"-Webseite www.funk.net

Also suche ich weiter. Doch ein paar schnelle Recherchen ergeben: Ich war da gerade eben tatsächlich richtig. Also surfe ich retour und siehe da: „Fickt euch!“ (mit Ausrufezeichen) ist der Name für ein neues Aufklärungsprogramm. Bei Licht betrachtet passiert hier zwar nicht viel mehr als früher beim biederen Schulfernsehen (eine blonde Moderatorin erklärt vor laufender Kamera irgendwem irgendwas in Sachen Sexualität). Doch im Gegensatz zu früher wird bei „Fickt euch!“ (man will ja hipp sein) eben nicht mehr gespart mit dem, was der Amerikaner gerne „Graphic Talk“ nennt. Im Gegenteil: „funk“ hat einen überaus ausgeprägten Hang für das Grafische, das Schlüpfrige, Obszöne.

Gleich neben der Werbung für das Programm „Fickt euch!“ lauert ein Teaser (Appetizer) für das „Format“, wie die Programmmacher gerne sagen, „Auf Klo“. Das Ganze ist eine Art Talk Show für Mädels. Und weil es eben für Mädels ist, spielt die Sendung laut Werbung „genau dort, wo Jungs nicht hin dürfen: auf dem Frauenklo.“ Auf einer vollgeschmierten Toilette begrüßt eine Dame namens Mai „jede Woche einen neuen Gast und redet über Freundschaft, Sex, Liebe, Zukunft, Ernährung, Karriere – und was es sonst immer so zu besprechen gibt auf Klo“. Komplett belangloses Zeug also. Ganz offensichtlich haben sich ARD und ZDF auf „funk“ von einem fundierten, gutgemachten Journalismus komplett verabschiedet. In der sogenannten Web-Doku „Y-Kollektiv“ darf eine junge Frau ihre Arbeit als Escort-Dame oder als Webcam-Girl – kaum hinterfragt – sogar als ganz normalen Studentenjobs anpreisen.

Jede Menge Oberflächlichkeiten für die Zielgruppe

Zum Wegspülen, der was? (Bildschirmfoto der Webseite www.funk.net)

Ersonnen wurde „funk“ auf Beschluss der deutschen Ministerpräsidenten im Oktober 2014, um so den veränderten Nutzungsgewohnheiten der 14- bis 29-Jährigen zu entsprechen, die bekanntlich immer weniger Fernsehen schauen, dafür aber fast rund um die Uhr im Internet „hängen“. Genau deswegen auch wird „funk“ auch nicht als herkömmlicher Fernsehkanal ausgestrahlt, sondern ausschließlich auf Online-Plattformen wie YouTube, Facebook, Instagram und Snapchat. Laut Programmgeschäftsführein Sophie Burkhardt versuchten ARD und ZDF mit ihren rund 40 neuen Formaten die klassischen Bedürfnisse junger Menschen zu befriedigen: Information, Orientierung und Unterhaltung.

Tatsächlich gibt es bei „funk“ noch mehr zu sehen, als immer nur Schlüpfriges – zum Beispiel Serien. Massenhaft Serien. Doch ich gebe es an dieser Stelle einfach mal unumwunden zu. Mir ist nach „Auf Klo“, „Fickt Euch!“ und der verdeckten Werbung für Jobs in der Prostitution gründlich die Lust vergangen, mich weiter mit den „Inhalten“ dieser Internetplattform zu beschäftigen. Meiner ersten Sprachlosigkeit über diesen peinlichen, oft altherrenhaft wirkenden Anbiederungsversuch der öffentlichen-rechtlichen Anstalten an die Jugend, folgte nämlich schnell Wut und Empörung. Immerhin kostet uns GEZ- Zwangsgebührenzahler diese „Posse“ jährlich satte 45 Millionen Euro. Zur Finanzierung des wurden zudem einfach mal zwei durchaus honorable Digitalkanäle – nämlich ZDFkultur und EinsPlus – abgeschaltet. Dafür sitzt man nun bei ARD und ZDF auch mal in Sachen Inhaltsleere und Schmuddelkram in der allersten Reihe…

Ihr Webreporter Andreas Kaiser