03.01.2016

Die NDR-Redaktion "Die Box" macht beste Multimedia-Reportagen

Mensch (und Tier) in Grenzsituationen

Es sind Einblicke in Welten, die den meisten von uns für gewöhnlich verborgen bleiben. Egal ob Kinderhopiz, Gerichtsmedizin, Schlachthaus oder Jugendknast: Die Reporter der NDR-Multimedia-Redaktion „Die Box“ gehen dahin, wo es zum Teil richtig wehtut, und zeigen Menschen in Grenzsituationen.

Bildschimfoto von Jay aus dem Video "7 Tage" im Jugendknast (NDR) 

Sie heißen Jay, Manuel, Laschet oder Kane. Sie alle sind jung und haben alle schon mächtig viel Mist gebaut in ihrem Leben. Im Jugendknast träumen sie von besseren Zeiten und haben auch sonst so einiges zu erzählen. „Die, die tagsüber so hart tun, sitzen abends in ihren Zellen und heulen“ weiß zum Beispiel Laschet. Der junge Mann „sitzt“ wegen Körperverletzung, hat sich fest vorgenommen, seinem Sohn, sobald er wieder draußen ist, ein guter Vater zu werden. Doch die meisten Häftlinge kommen wieder. 78 Prozent der Strafgefangenen werden, so geht es aus einer Statistik der Justizbehörden hervor, innerhalb der ersten sechs Monate nach ihrer Haftentlassung wieder straf- und rückfällig.

Leben auf nur neun Qudratmetern (Bildschirmfoto aus der NDR-Multimedia-Reportage "Knastkarrieren")

Viele Knastkarrieren entstehen wegen Alkohol- oder Drogenabhängigkeit. Außerdem ist Knast – von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen - Männersache. Und last but not least ist der Alltag im Knast oft hart. Gewalt ist den meisten Justizvollzugsanstalten dieser Welt mehr oder weniger an der Tagesordnung. Auch davon erzählt die mutige Multimediareportage „Knastkarrieren – Leben in Deutschlands größtem Jugendgefängnis“, in der sämtliche erzählerischen Stilmittel - Film, Foto, Text, Interviews, Musik und Tonmitschnitte - gekonnt miteinander verwoben werden.

„Die Box“ meint es ernst mit dem guten Journalismus

Die Redaktion „Die Box“ des Norddeutschen Rundfunks begreift sich als Entwicklungslabor für dokumentarisches Erzählen. Hier werden neue Formen der Produktion und des „Storytellings“ erdacht und umgesetzt. Neben zahlreichen Pilotprojekten für TV und Internet ist „Die Box“ auch verantwortlich für die tolle Dokumentarfilmreihe „7 Tage“, die es inzwischen sogar zu einem Eintrag im Online-Lexikon von Wikipedia gebracht hat. Darin begleiten die Reporter Menschen in besonderen Berufen, in gesellschaftlichen (Rand)Gruppen oder an ungewöhnlichen Orten. Sie zeigen Menschen in Nahaufnahme, in Grenzsituationen des Lebens sozusagen. Sieben volle sieben Tage begleiten die Reporter ihre Protagonisten, nehmen von morgens bis abends an deren Leben teil. Denn nur das direkte Gespräch baut Vorurteile ab, wie die Macher der Serie am eigenen Leib erfahren durften.

Bildchirmfoto von dem Video "7 Tage" unter Schlachtern... (NDR) 

Besonders empfohlen seien hier die Episoden im Kinderhospiz, im Flüchtlingslager, unter Schlachtern, unter Juden oder unter Gerichtsmedizinern.  Hier schauen die NDR-Journalisten einigen Pathologen bei ihrer Arbeit  an menschlichen Leichnamen über die Schulter; ganz ohne den dämlichen Klamauk der Tatortreihe aus Münster… Nein, „Die Box“ meint es verdammt ernst mit dem (guten) Journalismus.

Bildschirmfoto aus dem  7-Tage-Video "Unter Juden" (NDR)

Produziert wird jede der inzwischen mehr als 50 Episoden von zwei Mitarbeitern. „Ein Reporter wird von einem Videojournalisten mit der Kamera begleitet. Aus dem Material, das sie in einer Woche aufzeichnen, erstellen sie den meist etwa 30-minütgen Film. Der Reporter kommentiert die Bilder als Voice-over und gibt dem Zuschauer dabei einen Einblick in seine Gedanken und die Fragen, die ihn beim Dreh beschäftigt haben. Das Format „7 Tage“ wurde 2012 entwickelt. Die erste Folge wurde am 5. Mai 2013 ausgestrahlt und beschäftigte sich mit dem KZ Auschwitz“, wie es bei Wikipedia heißt. Leider ist der Beitrag über das Konzentrationslager (zumindest offiziell) nicht mehr verfügbar. Ebenso wenig wie der Film über das Klosterleben… Trotzdem unbedingt reingucken, empfiehlt

Ihr Webreporter Andreas Kaiser