23.05.2017

Soldatenwallfahrt

"Lourdes hat eine besondere Magie"

Soldatendienst als Friedensdienst: Über 12000 Soldaten aus 48 Nationen haben am vergangenen Wochenende in Lourdes gemeinsam gebetet und gefeiert. Zum 59. Mal war die Internationale Soldatenwallfahrt in dem französischen Marienpilgerort.


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750 Soldaten aus Deutschland nahmen an der Wallfahrt teil. Foto: kna

 

Diakon Herbert Sturm legt dem Firmling Marco Cygan die rechte Hand auf die Schulter. Eine normale Geste während einer Firmung. Doch trotzdem ist dieser Moment ein besonderer. Denn Cygan hat sich für seine Firmung einen nicht alltäglichen Ort ausgesucht. In seiner Uniform steht der Soldat vor dem katholischen Militärbischof Franz-Josef Overbeck. Dieser spendet ihm während der Internationalen Soldatenwallfahrt in Lourdes das Sakrament.

Dass Cygan an diesem Tag gefirmt wird, könnte man fast einen Zufall nenne. Der 30-Jährige war im vergangenen Jahr das erste Mal bei der Wallfahrt dabei. Ein Freund hatte ihn angesprochen, ob er nicht mitfahren wolle. Cygan sagte zu und fuhr nach Lourdes. Dort half er dem Unterstützungspersonal. Die Tage in dem Marienwallfahrtsort veränderten ihn. "In meiner Jugend bin ich vom rechten Weg abgekommen", erzählt der aus Berlin stammende Mann. In Lourdes sei er, so seine Worte, "bekehrt worden". Ein richtiges Schlüsselerlebnis habe es aber nicht gegeben. "Es gab viele schöne Momente hier." Besonders hätten ihn aber die Feiern in der unterirdischen Basilika Pius X beeindruckt. "Da haben die vielen Nationen miteinander gefeiert."

Geprägt von den Erlebnissen fing er in Deutschland an, sich mit der Kirche und dem Glauben zu befassen. Er habe gemerkt, dass er dort Antworten auf seine Fragen finden könne. In Gesprächen mit seinem Standortpfarrer wurde ihm klar, dass er sich firmen lassen will. Und zwar in Lourdes. "Es war schon sehr ergreifend", so Cygan nach dem Gottesdienst. "Dieser Ort hat einfach eine besondere Magie."

Neben Cygan sind rund 750 weitere Soldaten aus Deutschland in den französischen Marienwallfahrtsort gekommen, in dem vor mehr als 150 Jahren der damals 14-jährigen Bernadette Soubirous in der Grotte von Massabielle die Mutter Gottes erschienen sein soll. Sie sind teil der 59. Internationalen Soldatenwallfahrt. Einmal im Jahr bestimmen Ende Mai Soldaten in Uniformen das Stadtbild. Diese Mal sind knapp 12.000 von ihnen der Einladung des französischen Militärbischofs Luc Ravel gefolgt. Militärangehörige aus 48 Nationen singen, beten und feiern drei Tage lang gemeinsam.

 

"Dona nobis pacem" - gib uns deinen Frieden als Motto der Wallfahrt

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Soldaten beten gemeinsam in Lourdes. Foto: kna

Die Atmosphäre in dem südfranzösischen Ort ist geprägt von Freude und Heiterkeit. Immer liegt Musik in der Luft. Den ganzen Tag marschieren die Kapellen der Armeen durch die Straßen mit den vielen Cafes, Hotels und Souvenirläden. Man hört Dudelsäcke und Alphörner. Immer wieder gibt es spontane Platzkonzerte.

Trotz der ausgelassenen Stimmung gerät das Motto der diesjährigen Wallfahrt nicht aus dem Blick: "Dona nobis pacem" - Gib uns deinen Frieden. So bezeichnete etwa Militärbischof Overbeck den Soldatendienst als Friedensdienst. Die Bundeswehr helfe mit, dass Frieden werde und erhalten bleibe. "So wächst auch durch sie der Frieden." Gerade der Wallfahrtsort Lourdes sei "Zeuge für das inständige und nicht aufhörende Beten und Bitten um Frieden".

Der Bischof selbst war das erste Mal als Schüler in Lourdes. Die Erinnerungen an diesen Aufenthalt bei einer Wallfahrt im Juli seien allerdings nicht so gut. "Es war bitterkalt und es hat die meiste Zeit geschüttet." Er sehe sich noch auf "so einem ollen Feldbett mit faulig, nassem Stroh darunter" liegen. Als Priester und Bischof war Overbeck dann häufig mit Kranken an der Grotte. "Es ist gut, dass es Orte für Kranke und Menschen mit vielen Sorgen gibt." Die Soldatenwallfahrt habe aber wieder etwas ganz eigenes. "Sie hat ihren eigenen Charme." Deshalb komme er gerne her.

Der besondere Charme der Soldatenwallfahrt wird auch bei der Lichterprozession deutlich. In der Dämmerung ziehen die Soldaten singend und betend mit Kerzen in den Händen durch den Heiligen Bezirk. Ihr Weg wird von zahlreichen Zuschauern gesäumt, die sich ebenfalls der Prozession anschließen. Dieses Neben- und Miteinander der Militärangehörigen beeindruckt. "Hier feiern Nationen miteinander, die sich vielleicht mal bekriegt haben. Und jetzt geben sie sich die Hand." Das sei sein persönliches "Wunder von Lourdes", sagt ein junger Soldat.

kna