Zu wenig Platz auf Friedhöfen

Israel: Regierung wirbt für "Schicht-Bestattungen"

Zu wenig Platz für Friedhöfe: Mit einer Werbekampagne will das israelische Religionsministerium für Bestattungen auf mehreren Ebenen werben. Hintergrund ist nach Berichten der Tageszeitung „Haaretz“ ein Mangel an Grabflächen insbesondere im Großraum Tel Aviv. Derzeit werden jährlich rund 16 Hektar für Beerdigungen zur Verfügung gestellt.

Orthodoxe Juden besuchen einen jüdischen Friedhof in
Jerusalem. Weil jüdische Gräber nicht eingeebnet werden
dürfen, fehlt in Israel Platz für Friedhöfe.

In den kommenden Wochen will das Ministerium laut dem Bericht eine Kampagne starten, um unter Israelis für platzsparendere Bestattungsformen zu werben. Geplant sind Werbeanzeigen sowie Gespräche mit Religionsführern und Bestattungsunternehmungen. Darüber hinaus sollen Rabbiner gebeten werden, ihren Gemeinden die Vereinbarkeit dieser Bestattungsformen mit dem jüdischen Religionsgesetz darzulegen.

Nach den Vorstellungen des Religionsministeriums, das bereits seit zwanzig Jahren vor der Verknappung von Land für Friedhöfe warnt, sollen Bestattungen künftig in mehreren Schichten übereinander vorgenommen werden, zum Teil auch überirdisch. Auf den städtischen Friedhöfen von Jerusalem, Tel Aviv, Petah Tikva und Haifa werden demnach bereits entsprechend platzsparende Bestattungsformen angewendet.

Die jüdische Tradition kennt neben der Erdbestattung die Bestattung in Mauernischen mit bis zu drei Ruhestätten übereinander sowie tiefe Familiengräber, in denen Familienmitglieder übereinander beerdigt werden. Die Toten- und Grabesruhe ist im Judentum heilig - jüdische Gräber dürfen niemals eingeebnet werden, um Platz für neue zu schaffen. Daher hat ein jüdisches Grab auf ewig Bestand. In Israel entsteht so also ein Platzproblem. Im Jahresschnitt werden laut der Zeitung im Land 34.000 Menschen verschiedener Religionszugehörigkeit bestattet.
(kna)