28.06.2017

G20-Gipfel in Hamburg

Investitionen in Afrikas Zukunft

Wenn sich die Regierungschefs der wichtigsten Industrienationen zum G20-Gipfel in Hamburg treffen, will dabei vor allem die Bundesregierung Wirtschaftsinitiativen für Afrika anstoßen. Mit neuen Jobs sollen dort unter anderem Fluchtursachen beseitigt werden.


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Die G20-Staaten sind eine Vereinigung wichtiger Industrienationen. Auf den Gipfeln geht es stets um globale Herausforderungen. Foto: kna


Afrika, und damit der gesamte Erdball, steht vor gewaltigen Herausforderungen. Bis 2050 wird sich die Bevölkerung des Kontinents auf rund 2,5 Milliarden Menschen verdoppeln. Obwohl es auf dem Kontinent schon jetzt viel zu wenig Arbeit gibt, drängen jährlich 20 Millionen Menschen neu auf den Arbeitsmarkt. Zudem leiden dort aufgrund von Klimawandel, Dürren, Landgrabbing und bewaffneten Konflikten immer mehr Menschen an einer Mangel- oder Unterernährung. Nach Angaben der UN sind in Nigeria, Kenia, Äthiopien, Somalia und im Jemen aktuell 20 Millionen vom Hunger bedroht. Allein im Sudan könnten bald mehr als 100 000 sterben.

Angesichts der großen Not und immer neuer Fluchtbewegungen aus Afrika gen Europa will die Bundesregierung Afrika ins Zentrum des G20-Gipfels am kommenden Freitag und Samstag in Hamburg stellen. Lieblingsprojekt von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist dabei die Initiative „Compact with Africa“, zu dem die G20-Mitgliedsländer in Hamburg eine Verpflichtung unterzeichnen sollen. Mit dem Projekt sollen die Rahmenbedingungen für Investitionen verbessert werden, um so private Investoren für Projekte – vor allem zum Ausbau der Infrastruktur im Bereich der Energieversorgung und des Verkehrs – zu gewinnen. In Ghana soll so schon bald ein riesiger Industriepark entstehen.

Die Bundesregierung will mit der Initiative die Zukunftsaussichten für Afrikas Jugend verbessern und Fluchtursachen beseitigen. Nach der Aufkündigung des Pariser Klimaabkommens durch US-Präsident Donald Trump hatte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller vor einer großen Fluchtbewegung von bis zu 100 Millionen Menschen aus Afrika Richtung Norden gewarnt, sollte es nicht gelingen, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen. Seit Monaten fordert er zudem die Einsetzung eines „Marshallplans“ für den Kontinent.

 

Eine Art „moderner Kolonialisierung?“

„Wenn es in Afrika zu viel Hoffnungslosigkeit gibt, dann gibt es natürlich junge Menschen, die sagen, wir müssen uns anderswo auf der Welt ein Leben suchen“, so Merkel. Während einige Linke die Initiative als „eine Art moderne Kolonialisierung“ kritisierten, stehen die christlichen Entwicklungsdienste der Idee etwas aufgeschlossener gegenüber, mahnten aber an, dass sich die Investoren zu gerechten Löhnen, der Einhaltung von Umweltstandards sowie sämtlicher Menschenrechte verpflichten müssten. Russland, China und die USA allerdings zeigten wenig Interesse an dem Abkommen.

Zu Demonstrationen gegen den G20-Gipfel, an denen sich zum Teil auch die Katholische Arbeitnehmerbewegung beteiligen will,  haben inzwischen fast sämtliche Gruppierungen aus dem Lager der Linken, Grünen und Globalisierungsgegner aufgerufen.

Von Andreas Kaiser