"Theoradar" analysiert die Welt christlicher Internet-Blogs

Hitparade für Christen-Blogs

Was bewegt Christen im Internet? Worüber reden sie? Die Plattform „Theoradar“ gibt einen guten Überblick über die sonst recht unübersichtliche christliche „Blogosphäre“ und listet auf, welche Themen gerade in den Sozialen Netzen am meisten diskutiert werden.

Logo von Theoradar
auf Facebook (Screenshot)

Theoradar macht internetaffinen Menschen (wie mir und Ihnen) das Leben deutlich leichter. Da die christliche Bloggerszene zwar oft überaus spannend, aber leider Gottes auch vollkommen ungeordnet ist, ist Theoradar angetreten „die evangelische und katholische Blogosphäre etwas übersichtlicher zu gestalten, so Tobias Sauer. Der 26-jährige Journalist aus Trier hat kürzlich sein katholisches Theologiestudium abgeschlossen und bloggt selbst seit mehreren Jahren. Mit der Seite Theoradar, die er zusammen mit dem evangelischen Christen Fabian Maysenhölder aus Berlin auf den Weg gebracht und im September „gelauncht“ hat, will er zudem helfen, die christliche neue Medien-Welt einem breiteren Publikum zu erschließen, wie er jüngst der Katholischen Nachrichtenagentur KNA sagte.

Fast wie bei der Hitparade: alles schön gelistet...

Und tatsächlich sieht man auf Theoradar sofort und fein säuberlich aufgelistet – wie bei einer Hitparade - was gerade angesagt ist, worüber die User der unterschiedlichen Christenblogs am meisten diskutieren. Dazu haben Sauer und Maysenhölder eine datenbankbasierte Software ersonnen, die permanent 120 verschiedene Blogs (Tendenz steigend) analysiert und untersucht, welche Beiträge wie viel Resonanz in den sozialen Netzwerken Facebook, Twitter und Google Plus erhalten. Daraus wird ein Ranking-Wert berechnet, aus dem sich mehrere Toplisten speisen. So kann man auf Theoradar sehen, welche Beiträge in der aktuellen Woche oder im vergangenen Monat am meisten Zuspruch gefunden haben, und welche Themen gerade in der Wahrnehmung der Internetnutzer aufsteigen.

Mit Theoradar erhöht sich die Mindesthaltbarkeit christlicher Blogs

F. Maysenhölder (Foto: Theoradar)

„Bislang war es extrem aufwändig, einen Überblick über Themen der christlichen Blogosphäre zu bekommen“, sagt der 30 Jahre alte Theologe und Online-Journalist Maysenhölder. Ein positiver Nebeneffekt von Theoradar sei, dass nun etliche Themen der Blogosphäre einen längere Haltbarkeit haben als in der sonst so schnelllebigen Sozialen  Netzwerkswelt,  sagt Maysenhölder: „Auf Facebook und Twitter rauscht alles schnell vorbei.“ Theoradar hingegen legt seine Erkenntnisse (und somit die Themen des Bloggs) in ein stetig wachsendes Online-Archiv ab. Und Theoradar kommt an. Inzwischen haben so gut wie alle christlichen Medienmagazine und Portale – vom Kölner Katholikensender Domradio über das kritische Publik Forum bis hin zum evangelikalen Medienmagazin pro - über die Initiative berichtet. Und natürlich gibt es Theoradar Auch bei Facebook.

Tobias Sauer (Foto: Theoradar)

Betreiber Tobias Sauer ist überzeugt, dass Blogs - in Zeiten, in denen die Kirche immer weniger Besucher anlocken, aber das Internet sozusagen allzeitverfügbar ist - eine moderne Form der Glaubensverkündigung sind. „Christliche Blogger treten in den Dialog mit Andersdenkenden und –gläubigen.“ Zudem könne man im Internet auch mal unfertige Gedanken äußern. Zwar gebe es gerade im katholischen Milieu auch Menschen, die keine Abweichungen von der vermeintlichen kirchlichen Glaubenswahrheit tolerierten. „Wir versuchen aber, eine Diskussionskultur zu schaffen, in der jeder seine Meinung sagen kann. Auch in der Theologie gibt es so viele Punkte, über die man kontrovers diskutieren kann,“ weiß Sauer, der auch schon das katholische Blogger-Netzwerk „Ruach.jetzt“ ins Leben gerufen hat. Wer bloggt, macht sich angreifbar, der werde aber auch gezwungen, sich selbst, seinen Glauben, seine Theologie zu hinterfragen, ergänzt Maysenhölder - und fordert: „Bloggt, Ihr Christen, bloggt!“

Ihr Webreporter Andreas Kaiser (mit KNA)