Dass Ehrenamtliche die Erstkommunionvorbereitung mitgestalten, ist inzwischen vielerorts an der Tagesordnung. In St. Otger im westfälischen Stadtlohn geht man einen Schritt weiter und bildet Erwachsene zu Katechetenbegleitern aus.
Die beiden Gemeinden St. Otger und St. Josef im 21 000-Einwohner-Ort fusionierten 2006 zu einer einzigen Kirchengemeinde. Die Erstkommunion musste vom neuen Seelsorgeteam rasch organisiert werden – mit Hilfe von vielen Ehrenamtlichen. Aktuell stehen für insgesamt 206 Kommunionkinder 60 bis 80 Katecheten zur Verfügung.
„Das ist ein Erfolg, aber wir haben uns schon bald gefragt: Was bringt es uns, wenn wir die Kinder intensiv begleiten, aber die Eltern nicht erreichen?“, berichtet Pastoralreferentin Anne-Marie Eising. Deshalb werden die Eltern seit zwei Jahren zu Elternabenden eingeladen, an denen sie miteinander singen, beten und das Wort Gottes hören können, aber auch ganz praktische Informationen zur Erstkommunion erhalten. Immerhin zehn Prozent aller Eltern nehmen dieses Angebot wahr, zu dem auch Abende über Bibel, Gebet, Beichte, Eucharistie und den Glauben allgemein gehören.
Da das Seelsorgeteam unmöglich alle Erstkommunionkatecheten selbst begleiten kann, riefen die Verantwortlichen 2009/2010 einen Grund- und Aufbaukurs zur Weitergabe des Glaubens ins Leben. „Dass Erwachsene wieder mit dem Glauben in Berührung kommen, ist eine riesige Chance“, betont die Pastoralreferentin. „Wir wollen die Ehrenamtlichen gezielt mit in die Verantwortung hineinnehmen.“
Im Grundkurs wurden Themen wie Glaubensbekenntnis, Bibel oder Gebet behandelt, im Aufbaukurs Messe, Firmung oder Katholische Soziallehre. Die Veranstaltungen fanden einmal im Monat statt und umfassten Messe, Vortrag, geistliche Vertiefung, Aussprache und Gebet. Am Grundkurs nahmen 30, am Aufbaukurs zehn bis 15 Personen teil; übrig geblieben sind bis heute vier feste Katechetenbegleiter.
Die Herausforderung, vom eigenen Glauben zu erzählen
Zu ihnen gehören Maria Gevers und Claudia Mönsters. Maria Gevers, eine „Frau der ersten Stunde“, hat dreimal Erstkommuniongruppen begleitet und schon mal in der Firmkatechese mitgearbeitet. Doch der Hausfrau und Mutter von vier erwachsenen Kindern reichte das nicht: Sie wollte sich noch mehr in der Gemeinde engagieren. So stieg sie bereits 2007 als Katechetenbegleiterin ein – zu einem Zeitpunkt, als es dafür noch gar keine Kurse gab –, nahm regelmäßig an den Glaubensgesprächen mit Pfarrer Stefan Jürgens teil und bekam bei einem Teamtreffen Bausteine für die Katechetenbegleitung an die Hand.
Inzwischen versucht sie bei fünf bis sechs Treffen pro Halbjahr, den Katecheten ein Rüstzeug für die Gruppenstunden an die Hand zu geben. „Ich erzähle meist von meinem eigenen Glauben und stelle mich der Herausforderung, davon Zeugnis abzulegen“, berichtet die ehemalige Krankenschwester. „Gott ist für mich vor allem der, der Halt im Leben gibt. Ich habe das selbst erfahren.“
Auch Claudia Mönsters hat Erstkommunionkinder begleitet, bereitet Kleinkinderandachten vor und ist Lektorin. Für sie war es „der nächste logische Schritt“, als Katechetenbegleiterin einzusteigen. Momentan schaut sie noch „über die Schulter“ der jetzigen Begleiter und nutzt Vorträge und Diskussionen in der Gemeinde, um sich theologisch weiterzubilden. Wie Maria Gevers will auch sie Rede und Antwort stehen über den Glauben, der sie bewegt – und hat die Erfahrung gemacht: „Es klappt, dass ich andere weiterbringen kann.“ Wie ihre „Kollegin“ hat sie allerdings auch erlebt, dass ihr Engagement im Bekanntenkreis manchmal Unverständnis auslöst, „aber das ist die Realität“.
Nach der Schule sind viele Kinder einfach erschöpft
Dagmar Höing, vor über zehn Jahren nach Stadtlohn zugezogen, hat bei der Erstkommunionkatechese gemerkt, dass „ihre“ Kinder zwar mitmachen, aber vom langen Schulunterricht erschöpft sind: „Meine Schützlinge lassen sich motivieren und gehen auf Themen ein, aber die Zeit am Nachmittag passt einfach nicht.“ Daraus hat sie zusammen mit Anne-Marie Eising den Schluss gezogen, dass die Kommunionvorbereitung flexibler werden muss. St. Otger wird ab dem nächsten Jahr drei Wege zur Erstkommunion anbieten: den „Samstagsweg“ (Katechesen an vier Samstagen zwischen 10.30 und 15.30 Uhr), das Familienwochenende und den klassischen Weg mit acht, neun Gruppenstunden.
Gerd Felder