Schwer zu glauben

Ewige Liebe: Mehr als ein Traum

Es ist der Traum von ewiger Liebe und lebenslanger Partnerschaft. Deswegen hängen viele junge Paare im ganzen Land Schlösser an Brückengeländer und werfen den Schlüssel in den Fluss – „auf ewig dein“. Doch dass ihr Traum wahr wird, daran glauben wahrscheinlich nur wenige.

Trotz Millionen von Liebesschlössern im ganzen Land – die lebenslange Partnerschaft steckt in der Krise. Jede dritte Ehe im Land wird geschieden. Trennung, Scheidung, Patchwork sind längst Alltag. Als Christian Wulff Bundespräsident wurde, schrieben Zeitungen, dass jetzt erstmals eine „moderne Patchworkfamilie“ ins Schloss Bellevue einziehe. Patchwork als Zeichen von Modernität? Psychologen weisen auf die negativen Folgen von Trennungen hin, besonders für die Kinder.
Auch die niedrigen Geburtenzahlen oder der hohe Anteil Alleinerziehender unter Hartz-IV-Empfängern sind Folgen der hohen Scheidungsrate, meint der Münsteraner Ehe- und Familienberater Norbert Wilbertz. Junge Leute sind zutiefst verunsichert, trauen sich eine langfristige Bindung nicht zu: „Sie fragen sich: Lebenslange Ehe – kann ich das überhaupt?“, sagt der Moraltheologe Bernhard Sill. In einem Forschungsprojekt an der Katholischen Universität Eichstätt geht er der Frage nach, warum Ehen gelingen.

Eheringe
Eheringe

Klar ist: Dass Ehen nicht mehr wie vor Jahrzehnten durch äußere Zwänge zusammengehalten werden, ist gut. In vielen Fällen ist eine Patchworkfamilie die bessere Alternative zur kaputten Kernfamilie. Doch dass die Gesellschaft sich deshalb gleich vom Ideal der lebenslangen Ehe verabschiedet hat, ist ein Fehler.  Denn das Ideal ist richtig und nicht weltfremd.
Ein Drittel der 1985 geschlossenen Ehen ist mittlerweile geschieden. „Damit sind natürlich zwei Drittel aller Ehen auch nach 25 Jahren noch intakt“, sagt der Leiter des Eichstätter Zentralinstituts für Ehe und Familie, Professor Jörg Althammer. Studien zeigten zudem, dass lang anhaltende Ehen „im Durchschnitt eine hohe Beziehungsqualität“ aufwiesen, sagt Althammer. Es scheint paradox: Durch die feste Bindung an ihren Partner fühlen sich manche Eheleute erst wirklich frei. Frei vom Zwang des immer Neuen, der stetigen Suche. Frei, auch mal einen Konflikt in der Partnerschaft auszutragen, ihn nicht verstecken zu müssen, weil man Angst haben muss, dass die Lebensabschnittsbeziehung das nicht aushält.
Dennoch: Sich lebenslang an einen Partner zu binden, wirkt wie ein Relikt aus alter Zeit. Eine Partnerschaft bedeutet auch Kompromisse und den Verzicht auf andere Wahlmöglichkeiten. Schwer vorstellbar in einer Gesellschaft, in der es immer um „ganz oder gar nicht“ geht und in der man scheinbar immer und jederzeit (fast) alles haben kann. Doch es geht – das beweisen viele langjährige Ehepaare. „Man muss am Können arbeiten“, sagt Sill.
Deswegen bietet die katholische Kirche, die an diesem Sonntag den Familiensonntag begeht, Hilfen an: Paarberatungen bei Krisen, Kommunikationskurse, um Krisen vorzubeugen. Mehr finanzielle Hilfen durch den Staat, mehr Anreize für die Teilnahme an solchen Kursen sind für Norbert Wilbertz Wege, um der Ehe zu helfen. Doch dafür müssen Gesellschaft und Politik begreifen, dass gelingende Ehen mehr sind als nur privates Glück. Denn derzeit ist die Kirche die einzige Institution, die sich hörbar für das Ideal „Ehe“ einsetzt. Die Politik muss sich mit Scheidungs- und Unterhaltsrecht um die Folgen gescheiterter Ehen kümmern. Um das Gelingen von Partnerschaft macht sie sich keine Gedanken.

Ulrich Waschki