03.11.2017

Bonifatiuswerk und Diasporasonntag

Boni-Busse bringen Glauben in Fahrt

Das Markenzeichen des Bonifatiuswerkes: Die Boni-Busse, die Gläubige in der Diaspora miteinander verbinden. Am 19. November ist Diaspora-Sonntag.


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Der Pastoralbus, der in Bautzen und Umgebung unterwegs ist, wurde vom Bonifatiuswerk gefördert. Foto: kna


Das bekannteste Markenzeichen des Bonifatiuswerks ist gelb und hat vier Räder. Es sind die "Boni-Busse". Rund 600 von ihnen sind derzeit europaweit im Einsatz. Sie halten das Gemeindeleben von Katholiken in Minderheitenlage am Laufen.

"Mobile Glaubenshelfer" nennt Monsignore Georg Austen die Kleintransporter mit dem Logo des Diaspora-Hilfwerks, dessen Generalsekretär er ist. Pfarrer Thomas Hajek pflichtet ihm bei: "Mit dem Boni-Bus bringen wir Senioren zum Gottesdienst, die aus eigener Kraft nicht mehr hinkämen", erklärt der Seelsorger der Pfarrei Heiliger Maximilian Kolbe in Gera-Lusan.

Ehrenamtliche Gemeindemitglieder bringen damit auch mal die Teilnehmer von "Religiösen Kinderwochen", den typisch ostdeutschen Ferienfreizeiten mit spielerischer Glaubensunterweisung, ins Schwimmbad. Oder sie sorgen dafür, dass Schüler zum Religionsunterricht in die Kirchengemeinde kommen, wenn das Fach in der Schule nicht stattfinden kann.

Das älteste große Hilfswerk von Deutschlands Katholiken gibt auch religionspädagogischen Angeboten regelmäßige Finanzspritzen. Am sichtbarsten bleiben indes die Boni-Busse. Angesichts der Fusionswelle bei den Kirchengemeinden auch in den neuen Bundesländern sind sie immer weiter unterwegs in einer Region, in der nur drei bis acht Prozent der Bevölkerung katholisch sind.

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Georg Austen ist der Generalsekretär des 
Bonifatiuswerks. Foto: kna

Ein einzigartiges "Exemplar" geht werktags rund um das sächsische Bautzen auf Tour. Es ist der "Pastoralbus", eine Mischung aus "Beichtstuhl" und rollendem Tante-Emma-Laden. Mit Chauffeur Thomas Schubert tingelt drei Mal wöchentlich Kerstin Schäfer von Dorf zu Dorf durch die Oberlausitz, um auf diese Weise als Kirche Präsenz zu zeigen.

Neben Bautzen gehören 89 Ortschaften zur flächenmäßig größten Pfarrei des Bistums Dresden-Meißen. Wie in vielen anderen ländlichen Regionen ist fast alles rückläufig. "Kein Konsum mehr, keine Kneipe, und auch der Pfarrer kann nur noch zu besonderen Anlässen kommen", berichtet Kerstin Schäfer. Da muss sie oft einfach "zuhören und trösten" an einem Tischchen im Bus und bietet dabei eine frisch gebrühte Tasse Kaffee oder Tee an. "Eine schöne Aufgabe", findet die Ruheständlerin, die früher in einem Reisebüro gearbeitet hat. Trotz vieler Geschichten von Einsamkeit und Krankheit, die ihr zu Ohren kommen.


Pastoralbus nimmt auch Lebensmittelbestellungen auf

Weil der Glaube manchmal auch durch den Magen geht, können die zumeist älteren "Klienten" des Pastoralbusses Lebensmittelbestellungen abgeben. Oder sie bedienen sich bei einem Warensortiment, das die Erfahrung von eineinhalb Projektjahren zusammengestellt hat. Es reicht vom Sack Kartoffeln bis zur Trauerkarte mit Briefmarke, alles zum Selbstkostenpreis des Pastoralbusses. Er gehört zu den neuartigen Initiativen, die das in Paderborn ansässige Bonifatiuswerk ebenfalls fördert. Es leistet eine Anschubfinanzierung, nach zwei Jahren müssen die Projekte eine andere Geldquelle finden.

Ein Experiment ganz anderer Art läuft ganz im Osten Deutschlands an. Im brandenburgischen Neuzelle wagen vier Zisterzienser aus der österreichischen Abtei Heiligenkreuz den Neuanfang. 200 Jahre nach der Verstaatlichung durch Preußen erklingen nun wieder gregorianische Gesänge in der barocken Klosteranlage mit 750-jähriger Tradition. "Im November kommt ein weiterer Ordensbruder", kündigt Pater Kilian Müller an. Acht Zisterzienser sollen es in einem Jahr werden. "Dann reicht ein PKW auf keinen Fall mehr für uns", betont der Mönch. "Einen Boni-Bus haben wir schon beantragt."

Auch in anderer Form wird das Bonifatiuswerk die junge Gemeinschaft fördern. Es übernimmt die Verwaltung der Spenden für ihr Gründungsprojekt. Beim Bau der neuen Leipziger Propsteikirche war eine solche administrative Hilfe ebenfalls eine wichtige Unterstützung, wie Pfarrer Gregor Giele betont. Zusätzlich zu einer Finanzspritze von 1,5 Millionen Euro hat das Hilfswerk die 14.000 Einzelspender "betreut", die weitere 2,4 Millionen Euro beisteuerten. Ostdeutschlands größter katholischer Kirchenneubau nach der Wiedervereinigung ist nun das Zentrum einer florierenden Gemeinde.

kna