26.09.2017

Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe

Bode neuer stellvertretender Vorsitzender

Der neue Stellvertreter von Kardinal Reinhard Marx an der Spitze der deutschen Bischöfe ist der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode.


Foto: kna
Bischof Franz-Josef Bode wurde von seinen Amtskollegen zum stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Foto: kna


Gerade hat er es wieder getan: "Ich freue mich sehr darüber, dass wir dadurch Frauen in wichtigen leitenden Positionen der Kirche fördern können", sagte Franz-Josef Bode am Montag über ein Mentoring-Programm, mit dem die katholische Kirche ihre Führungsetagen weiblicher gestalten will. Die Kirche brauche die Frauen für wichtige Aufgaben, betont der Osnabrücker Bischof immer wieder. Und setzte diese Überzeugung in seinem Bistum schon zu Zeiten um, als die Uhren mancherorts noch anders tickten.

Doch Gegenwind hat den Bischof, den Humor, ausgleichende Art und freundliche Beharrlichkeit auszeichnen, nie angefochten. Dass ihn seine 66 Bischofskollegen nun zu ihrem stellvertretenden Vorsitzenden gewählt haben, habe ihn "völlig überrascht", wie er am Dienstag in Fulda sagte.

Seit Bode mit nur 44 Jahren im November 1995 Osnabrücker Bischof wurde, hat er innerhalb der Bischofskonferenz zukunftsträchtige Aufgaben inne: Sein Amt als katholischer "Jugendbischof" übte er 14 Jahre lang mit Humor und großer Anziehungskraft aus; bei seiner Zielgruppe war er schlicht "BiBo". Seit 2010 ist er Vorsitzender der Pastoralkommission der Bischofskonferenz und zudem für das Thema "Frauen in Kirche und Gesellschaft" zuständig. Der 66-Jährige tritt dafür ein, die Möglichkeiten einer Diakonenweihe für Frauen auszuloten und in bestimmten Fällen verheiratete Priester zuzulassen. Doch die Forderung nach einer radikalen Abkehr vom Zölibat ginge dem Theologen zu weit.

 

Geboren und aufgewachsen in Paderborn

Franz-Josef Bode wurde am 16. Februar 1951 in Paderborn geboren und wuchs im nahen Dorf Etteln auf, zusammen mit vier älteren Schwestern - ein Umstand, den er gerne dankbar hervorhebt. Nach dem Theologiestudium in Paderborn, Regensburg und Münster folgte 1975 die Priesterweihe. Als Präfekt im Paderborner Theologenkonvikt begleitete Bode die Priesteramtskandidaten. Der Titel seiner Dissertation "Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott" ist für ihn bis heute ein gültiges Motto.

Bode ist bei weitem kein "Lautsprecher" innerhalb der Bischofskonferenz. Doch erlangte er auch durch sein beherztes Handeln an entscheidenden Stellen Beachtung. So war er maßgeblich am Erfolg des Weltjugendtags 2005 in Köln beteiligt. Als das Bistum Essen vor dem Katholikentag 2008 seine Gastgeberrolle aus finanziellen Gründen zurückzog, sprang er ein. Ebenso arbeitete er mit in der Steuerungsgruppe des Dialogprozesses der Bischofskonferenz. Seine öffentliche Vergebungsbitte nach dem Missbrauchsskandal 2010 zog weite Kreise.

Mit seinen Vorstößen für eine zeitgemäße, den Menschen zugewandte Kirche eckt er bei manchen Katholiken gelegentlich auch an. Auch sein Bedauern darüber, dass das von der deutschen Sprachgruppe bei der Familiensynode 2015 in Rom vorgeschlagene "Schuldbekenntnis" keine Mehrheit für den Schlusstext der Familiensynode fand, mag einige irritiert haben. Es ging um ein Schuldeingeständnis der Kirche wegen Unbarmherzigkeiten gegenüber ledigen Müttern, Homosexuellen, Geschiedenen und Wiederverheirateten.

 

Bode verteidigt immer wieder das Papstschreiben Amoris laetitia

Immer wieder verteidigt Bode die im Papstschreiben "Amoris laetitia" 2016 angeregte Möglichkeit, wiederverheiratete Geschiedene in begründeten Einzelfällen die Kommunion empfangen zu lassen. Dadurch werde die katholische Ehelehre nicht angetastet, sondern lediglich auf das Leben der Menschen und zu deren Heil angewendet, sagt er.

Terror und Konflikte der letzten Jahre erschüttern den Bischof. Zugleich warnt Bode davor, die Angst zum Ratgeber für politische Entscheidungen zu machen oder sich von Populismus und "Fake News" aufs Glatteis führen zu lassen. Er wirbt für Toleranz gegenüber Muslimen und für eine intensive Auseinandersetzung mit dem Islam. Daneben war er einer der ersten Bischöfe, die einen Fonds für Flüchtlinge einrichteten.

In seinem rund 570.000 Katholiken zählenden Bistum erfreut sich der zugewandte Seelsorger auch nach fast 22 Jahren großer Beliebtheit. Im Gespräch mit dem "Kirchenvolk" trifft der Bischof ebenso den richtigen Ton wie in Diskussionen mit Theologen oder Vertretern aus Politik und Wirtschaft - und offenbar auch innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz.

kna