26.08.2015

Kommentar

An alle Vernünftigen

Es ist Zeit für Zeichen, dass Christen als Beispiel vorangehen und sich schützend vor Flüchtlinge stellen. Denn: Steinewerfern und Brandstiftern mit Bildung zu begegnen, ist vergebene Liebesmüh, sagt Ulrich Waschki in seinem Kommentar.

Wie lange noch? Wie lange dauert es noch, bis ein Mensch zu Schaden kommt bei den Ausschreitungen des rechten Mobs? Flüchtlingsunterkünfte werden in Brand gesetzt, Gewalttäter „demonstrieren“ mit Steinen und Brandsätzen gegen Menschen in Not, die in einem ehemaligen Baumarkt untergebracht werden sollen. Beschämend, empörend, widerlich. Kein Wort ist scharf genug, um dieses Verhalten zu brandmarken.

Was kann man dagegen tun? Schwere Frage. Zumal Umfragen und Statements in Fernsehsendungen oder Kommentare im Internet zeigen, dass ausländerfeindliche Einstellungen keineswegs nur auf dumpfbirnige Glatzen beschränkt sind. Auch das eine erschreckende Erkenntnis aus Heidenau: Familien mit Kindern sehen dem Wüten des rechten Mobs zu. Das erinnert fatal an die Bilder aus Rostock-Lichtenhagen oder Hoyerswerda. Nichts kann solche Ausschreitungen rechtfertigen. Auch nicht die Tatsache, dass viele Flüchtlinge zu uns kommen und tatsächlich Probleme zu lösen sind. 

Doch zurück zur Frage: Was kann man tun? Manchem bürgerlichen Zuschauer wird man vielleicht mit Bildung und durch die Begegnung mit Menschen anderer Nationalitäten die Ängste nehmen können. Bei den Steinewerfern und Brandstiftern wird das eher vergebene Liebesmüh sein. Da hilft nur, dass der Staat mit aller Härte sein Gewaltmonopol ausübt. Menschen schützt, Gewalttäter konsequent verfolgt, Ausschreitungen möglichst im Keim erstickt. In Heidenau muss untersucht werden, ob die Behörden rechtzeitig reagiert haben. 

Das Ziel der Rechten ist es, Angst zu säen. Deshalb haben sie vor Monaten vor dem Haus des Bürgermeisters von Tröglitz demonstriert. Deshalb zog es sie jetzt vor den ehemaligen Baumarkt in Heidenau. Doch Meinungs-, Versammlungsfreiheit und Demonstrationsrecht sind nicht dazu da, Angst zu säen und Menschen zu vermitteln, wir kriegen dich, du bist nicht erwünscht. Daher ist es sinnvoll, Bannmeilen vor Schutzräumen wie Flüchtlingsunterkünften zu schaffen. Häuser, in denen Menschen wohnen, dürfen kein Ziel von Demonstrationen sein.

Die Geschehnisse sind auch ein Appell an alle vernünftigen Mitbürger. Es ist unsere Pflicht, uns buchstäblich vor die Unterkünfte zu stellen, Kontakt zu suchen, Begegnung zu ermöglichen und so Menschen zu vermitteln, dass sie bei uns Zuflucht haben. Eine Aufgabe gerade für Christen. Eine, bei der Pfarrgemeinderäte und Pfarrer mit gutem Beispiel vorangehen sollten. Um den Rechten zu zeigen, dass dies unser Land ist!

Von Ulrich Waschki