16.11.2017

Christus-Porträt ist teuerstes Gemälde der Welt

450 Millionen Dollar für ein Bild

Ein Christusbild als teuerstes jemals versteigertes Kunstwerk: Da Vincis "Salvator Mundi" brachte auf einer Auktion 450 Millionen US-Dollar ein.


Foto: kna
Das Gemälde "Salvator Mundi" von Leonardo da Vinci
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Manchmal muss man einfach Glück und das richtige Näschen haben. Als 2005 der New Yorker Kunsthistoriker und Kunsthändler Robert Simon ein beschädigtes, verdrecktes und von früheren Restaurierungsversuchen entstelltes Bild zur Ansicht bekam, beschloss er, diesem Bild noch eine Chance zu geben. Der Grund: An den Stellen, an denen der Originalzustand noch sichtbar war, waren Anzeichen für ein qualitativ hochwertiges Gemälde zu sehen.

Simon hatte den richtigen Instinkt. Denn es handelte sich dabei wahrscheinlich um das verloren geglaubte Bild "Salvator Mundi" (Christus Erlöser der Welt) des italienischen Renaissance-Künstlers Leonardo da Vinci (1452-1519). Ende 2011 wurde der Sensationsfund der Öffentlichkeit bei der Leonardo-Ausstellung der National Gallery in London erstmals vorgestellt. Letzter Besitzer war der russische Sammler und Milliardär Dmitri Jewgenjewitsch Rybolowlew.

Am Mittwochabend wurde das 65,6 mal 45,4 Zentimeter große Bild bei einer Auktion in New York für die Rekordsumme von rund 450 Millionen US-Dollar (381,6 Millionen Euro) versteigert - nach Angaben des Auktionshauses Christie's ist es damit das teuerste jemals versteigerte Kunstwerk. Den Zuschlag bekam ein anonymer Telefonbieter. Ursprünglich hatte Christie's mit einem Preis von rund 100 Millionen Dollar gerechnet.

 

Genauer Hintergrund der Entstehung des Bildes ist unbekannt

Das in Öl auf Walnussholz gemalte Porträt zeigt Jesus Christus in Frontalansicht, die rechte Hand zum Segen erhoben, in der Linken eine Glaskugel als Symbol für die Welt. Es stammt entweder aus den letzten Jahren des 15. Jahrhunderts, als Leonardo am Hofe des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza eine Reihe seiner wichtigsten Gemälde schuf, oder aus den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts. Der genaue Zeitpunkt der Entstehung, Auftraggeber oder ursprünglicher Aufstellungsort des Gemäldes sind unbekannt.

Insgesamt existieren weniger als 20 in der Zuschreibung sichere Gemälde von dem Künstler und Universalgenie Leonardo; fünf dieser Gemälde sind Porträts. Dazu zählt das berühmteste und bekannteste Bild der Welt: die "Mona Lisa", die im Pariser Louvre hängt. Das Christus-Porträt wurde deshalb auch gelegentlich als männliche "Mona Lisa" gefeiert.

In der Kunstwelt werden beschädigte, verdreckte oder unansehnliche Bilder, die keine Zuschreibung tragen, nur als minderwertige Kopie gelten oder als Werk eines Schülers aus der Werkstatt klassifiziert wurden, sich aber nach meist umfangreichen Restaurierungsarbeiten als ein wertvolles Original entpuppen, "Schläfer" genannt. So war es auch in diesem Fall.

Es war schon lange bekannt, dass Leonardo da Vinci ein Bild mit dem Titel "Salvator Mundi" gemalt hatte. In der Tat existieren ungefähr 20 Kopien von Schülern und Anhängern Leonardos sowie ein aufwendig hergestellter Stich von dem böhmischen Künstler Wenceslaus Hollar aus dem Jahr 1650. In der königlichen Sammlung in Windsor Castle werden zwei Vorstudien zu dem "Salvator Mundi" verwahrt. Immer mal wieder kursierten Theorien, dass eine der Kopien das Original sei, doch konnten sie bei den Kunsthistorikern keinen Widerhall finden.

Auch jetzt noch gibt es Experten, die sich nicht sicher sind, ob das Bild tatsächlich von Leonardo allein gefertigt wurde. Der Leipziger Professor und Kunsthistoriker Frank Zöllner etwa setzte schon 2014 in der Wochenzeitung "Die Zeit" ein "großes Fragezeichen". Das Bild lasse aufgrund von älteren Schäden und einer weitreichenden Restaurierung kaum noch zuverlässige Aussagen über seine Authentizität zu. Der Leonardo-Experte kritisierte zudem ein undurchsichtiges Zusammenwirken von Kunstwissenschaft und Kunstmarkt. Zöllner äußerte auch die Vermutung, dass Leonardo zwar an dem Porträt mitgemalt haben könnte und die "Bilderfindung zweifellos von ihm selbst stammt", er aber nicht der alleinige Urheber des Werks sei.

kna