11.04.2018

Anfrage

Wie steht die Kirche zu den Freimaurern?

Wie steht die katholische Kirche zu den Freimaurern? Und gibt es christliche Freimaurer? R. M., Heide

Das Verhältnis der katholischen Kirche zu den Freimaurern hat sich in den letzten Jahrzehnten entspannt, bleibt aber getrübt. Das liegt vor allem auch daran, dass durch intransparente Strukturen und Inhalte nicht offensichtlich ist, inwieweit etwa die Rituale, die dort praktiziert werden, dem christlichen Glauben widersprechen.

Schon kurz nach der Gründung der Freimaurer-Bewegung Anfang des 18. Jahrhunderts wurde sie durch Papst Clemens XII. verurteilt. Das Kirchenrecht von 1917 belegte jeden mit der Exkommunikation, der ihr beitrat, weil man annahm, dass die Freimaurer heimlich gegen die Kirche – und auch gegen den Staat – arbeiteten. Deshalb mussten sie sich in der Nazizeit auflösen. Nach dem Krieg waren sie auch in der DDR noch verboten. Das Zweite Vatikanische Konzil behandelte das Thema nicht, legte aber mit der Erklärung zur Religionsfreiheit die Grundlage, sich damit näher zu beschäftigen. In der „Lichtenauer Erklärung“ von 1970 konnte mit einigen Missverständnissen aufgeräumt werden.

Im derzeit gültigen Kirchenrecht von 1983 gibt es keine ausdrückliche Strafe mehr für Freimaurer. Die Deutsche Bischofskonferenz verbot es jedoch 1980 den Katholiken moralisch, Mitglied zu sein. Der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, erklärte 1983 die Prinzipien der Freimaurer „als unvereinbar mit der Lehre der Kirche“. In der evangelischen Kirche kann der Einzelne ermessen, ob er Mitglied sein möchte. Insofern gibt es durchaus Christen, die Freimaurer sind.

Noch heute sorgt es – zumindest innerkirchlich – für Aufsehen, wenn eine angebliche Mitgliedschaft bei den Freimaurern im Raum steht. So soll der Vatikan im Herbst 2017 einen Botschafter abgelehnt haben, weil er Freimaurer sei. Bestätigt ist weder dessen Mitgliedschaft noch die Behauptung, dass er deshalb als Botschafter nicht akzeptiert worden sei.

Von Michael Kinnen